Montag, 22. Oktober 2007

EU-Agrarförderungen werden offen gelegt: Empfänger stehen ab 2009 im Internet

  • 14 EU-Länder stellen geförderte Bauer bereits online
  • Österreich hat Auskunft bisher noch verweigert

Die Landwirtschaftsminister der EU beschließen in Luxemburg die Offenlegung der Agrarförderungen ab 2009. Dann wird im Internet auf den Cent genau nachzulesen sein, welche Firmen und Bauern wie viel an Agrarsubventionen erhalten. Derzeit verweigert Österreich die Offenlegung dieser Daten. 14 andere EU-Staaten stellen dagegen schon jetzt Informationen über ihre Subventionsempfänger ins Internet.

So kann auf der Homepage der britischen Rural Payments Agency nachgelesen werden, dass eine gewisse Frau Keasey aus West Wales 3,85 Pfund erhält. Sie ist damit eine der kleinsten Förderfälle des Vereinigten Königreichs. Am oberen Ende der Liste: Die Regionalentwicklungsgesellschaft Business Link Devon and Cornwall mit über drei Mio. Pfund (4,30 Mio. Euro) und Farmcare Ltd mit 2,6 Mio. Pfund. Für die königlichen Windsor-Farmen gibt es fast 147.000 Pfund.

Keine Zahlen aus Österreich
Für Österreich liegen keine derartigen Zahlen vor. Nach Angaben von Ex-Landwirtschaftskammerpräsident Rudolf Schwarzböck erhalten etwa zehn heimische Betriebe mehr als 300.000 Euro pro Jahr. Das Landwirtschaftsministerium in Wien spricht von 700 Betrieben, die mehr als 72.000 Euro bekommen. Welche Unternehmen das sind, ist nicht bekannt. Als große Subventionsempfänger genannt wurden zuletzt die liechtensteinsche Gutsverwaltung in Niederösterreich und der Energydrink-Hersteller Red Bull (über die Förderung für Rübenzucker). Eine diesbezügliche Anfrage der APA beim Getränkekonzern blieb jedoch unbeantwortet.

Durchschnittlich 11.211 Euro Förderung
Im Durchschnitt hat jeder in Österreich geförderte Agrarbetrieb im Vorjahr 11.211 Euro kassiert. Insgesamt sind laut "Grünem Bericht" des Landwirtschaftsministeriums mehr als 1,6 Mrd. Euro an 144.095 geförderte Bauern geflossen. In Summe erhalten die unteren 29 Prozent der Betriebe allerdings nur vier Prozent vom gesamten Förderkuchen (durchschnittlich 1.603 Euro pro Jahr), während die oberen vier Prozent 19 Prozent der Gelder bekommen (im Schnitt 56.730 Euro).

Schwieriger Europa-Vergleich
Schwierig ist der Europa-Vergleich, weil hier keine gesicherten Angaben über die national kofinanzierten Programme vorliegen. Vergleichen lassen sich lediglich die EU-Direktzahlungen an die Bauern. Und hier liegt Österreich bei der Summe pro gefördertem Betrieb im unteren Mittelfeld: Hierzulande erhalten Bauern aus EU-Direktzahlungen durchschnittlich 4.934 Euro. An der Spitze liegen Großbritannien, Frankreich, Dänemark und Deutschland mit ihren großen Agrarbetrieben.

LandEU-Direktzahlungen pro Agrar-Betrieb im Durchschnitt (in Euro, Stand 2005)
Großbritannien21.391,4
Frankreich17.266,9
Dänemark16.898,4
Deutschland15.003,5
Luxemburg14.136,0
Tschechien11.396,9
Schweden11.138,8
Belgien10.418,3
Irland9.452,3
Finnland7.121,5
Slowakei6.709,1
Niederlande5.587,1
Spanien4.951,3
Österreich4.934,7
Italien2.601,6
Portugal2.271,9
Griechenland1.746,8
Ungarn1.554,6
Estland1.119,0
Polen507,9
Slowenien428,3
Lettland368,0
Litauen343,4
Zypern231,7
Malta73,3
EU254.679,4



(apa/red)

22.10.2007 11:19