Dienstag, 23. Oktober 2007

Hamilton will keinen Sieg am Grünen Tisch:
McLaren-Pilot sagt "Benzinaffäre" nicht zu

  • "Kimi den Sieg zu nehmen, wäre etwas grausam"
  • Newcomer ist sich Titel in nächsten Jahren sicher

Lewis Hamilton hat in der Niederlage Größe bewiesen. Der 22-jährige Engländer, der vergangenen Sonntag den Sprung in die Formel-1-Geschichtsbücher hauchdünn verpasst hat, will den Titel nicht auf dem Grünen Tisch gewinnen. Zudem hat der McLaren-Pilot eingestanden, dass er der das Getriebeproblem, dass ihn in Brasilien den Titel gekostet hat, selbst verursacht hat.

Hamilton hatte in den beiden letzten Saisonrennen in China und Brasilien durch Team-, aber auch Eigenfehler die historische Chance vergeben, gleich in seiner ersten Saison jüngster Weltmeister der Geschichte zu werden. Den zweiten Matchball vergab er am Sonntag in Sao Paulo einerseits durch einen Ausritt nach einem unnötigen Überholversuch sowie durch das "Abwürgen" seines Autos, das ihn bis auf Platz 18 zurückwarf.

McLaren gesteht eigene Fehler im Rennen
Er habe irrtümlich auf dem Lenkrad den Knopf für die Startsequenz gedrückt, gestand Hamilton. Daraufhin hatte sein McLaren so lange stark verzögert, bis die Wagen-Elektronik von der Neutralstellung wieder im Renn-Programm war.

Auch deshalb will der 22-Jährige nicht von einem McLaren-Protest profitieren. "Das wäre grausam und nicht gut für den Sport", sagte Hamilton. "Ich bin erst 22 und es wird noch eine Menge Gelegenheiten für mich geben, die WM zu gewinnen. Du willst den Titel mit Stil gewinnen. Dadurch aufzurücken, dass andere aus der Wertung genommen werden, ist nicht die Art und Weise, wie ich es schaffen will", sagte Hamilton in einem Interview mit BBC.

McLaren beharrt dennoch auf Protest
McLaren wird den Protest trotzdem ausformuliert einbringen. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug begründete: "Dieser Einspruch soll eindeutige Klärung schaffen und bestätigen, was in der Sporting Working Group abgesprochen wurde, nämlich die Festlegung des Temperaturlimits für den benutzten Sprit", sagte Haug der Deutschen Presse-Agentur dpa: "Es geht unserem Team nicht darum, den WM-Titel am Grünen Tisch zu gewinnen." Es gehe um die Klärung der Basis zur Einhaltung von eindeutigen Reglements und dies sei im Interesse aller Teams.

Vom Protest betroffen sind Fahrer, die im Finale vor Hamilton ins Ziel gekommen waren: Der Williams-Toyota des Brasilien-Vierten Nico Rosberg und die hinter ihm auf fünf und sechs rangierenden BMW-Sauber mit Robert Kubica und Nick Heidfeld. Wegen möglicher Mess-Schwankungen wurde auf eine Strafe verzichtet. Als Fünfter wäre Hamilton Weltmeister geworden.

Allerdings gilt es als nicht sicher, dass bei einer möglichen Disqualifikation der Vorderleute Hamilton automatisch auch die entsprechend höhere Punktzahl einheimsen würde. Am Ende fehlten zwei Zähler gegenüber Räikkönen, der mit sechs Siegen und 110 Punkten vor den punktgleichen Silberpfeil-Piloten Hamilton und Alonso triumphierte.

Kritik von Montezemolo an Hamilton
Kritik musste Hamilton von Ferrari-Chef Luca di Montezemolo einstecken. "Er hat sich in der Saison nicht immer mustergültig verhalten", meinte Montezemolo und gab sich überzeugt, dass "Jugend und Nervosität" Hamilton einen Streich gespielt hätten. Alonso hingegen sei ein Weltklasse-Profi in jeder Beziehung. "Ein außergewöhnlicher Fahrer, der nichts dafür kann, dass er nicht Weltmeister geworden ist!"

In eine ähnliche Kerbe schlug Renault-Teamchef Flavio Briatore. McLaren habe alles unternommen, um den Fahrer-Titel zu verlieren, ist der Italiener überzeugt. "Sie hätten Alonso in den letzten Rennen gegen einen Ersatzfahrer austauschen sollen. Hamilton wäre problemlos Weltmeister geworden."(apa/red)

23.10.2007 14:38
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