Montag, 22. Oktober 2007

Affären, Ermittlungen und Proteste 2007:
Die WM-Saison kommt nicht zur Ruhe

  • McLaren-Protest könnte die Entscheidung noch kippen
  • Heuer fielen viele Entscheidungen am Grünen Tisch

Grüner Tisch statt grauer Asphalt: Die Formel-1-Saison 2007 wird auch als Weltmeisterschaft der Ermittlungen und Affären in die Geschichte eingehen. Nun könnte sogar die WM-Entscheidung durch den Protest von McLaren-Mercedes nachträglich gekippt und Kimi Räikkönen von Erzrivale Ferrari die Krone wieder entrissen werden. Profiteur wäre Silberpfeil-Senkrechtstarter Lewis Hamilton. Beide Titel wären damit nicht auf der Strecke, sondern von den Instanzen des Internationalen Automobilverbandes FIA entschieden worden.

Am 13. September hatte der Weltrat der FIA McLaren-Mercedes aus der diesjährigen Konstrukteurswertung genommen. Die Silbernen führten das Klassement bis zu diesem Zeitpunkt klar an. Doch die Verwicklung in die Spionage-Affäre durch den ehemaligen McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan, der geheimes Informationsmaterial von Ferraris Ex-Chefmechaniker Nigel Stepney erhalten hatte, kostete das britisch-deutschen Team alle Punkte. Zudem mussten das Team 100 Millionen Dollar Strafe bezahlen.

Auf eine Berufung verzichtete McLaren-Mercedes, nachdem der Weltrat selbst seine erste Entscheidung vom 26. Juli - Freispruch aus Mangel an Beweisen - aufgehoben hatte. Ferrari stand bereits nach dem Großen Preis von Belgien am 16. September als Konstrukteurs-Weltmeister fest.

Zuvor waren den Silbernen auch am Grünen Tisch schon die 15 Teampunkte abgezogen worden, die Hamilton und Fernando Alonso beim Großen Preis von Ungarn als Erster und Vierter eingefahren hatten. Der Spanier Alonso hatte den zuvor bockigen Hamilton in der Boxengasse in Budapest blockiert. Die Punkte waren futsch und das Stallduell zwischen Hamilton, dem sportlichen Ziehsohn von Teamchef Ron Dennis und Alonso, dem ungezähmten Widerspenstigen, hatte seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Ohne die Entscheidungen der FIA hätte sich McLaren-Mercedes nach 17 Rennen zumindest mit dem Konstrukteurs-Titel trösten können. Nach der spektakulären, aber auch bizarren Saison hätte der Rennstall mit insgesamt 218 Punkten vor Ferrari (204) gelegen.

In Japan, nach dem chaotischen Regenrennen auf dem Fuji Speedway, wurde auch ermittelt. Gegen den Toro-Rosso-Piloten Sebastian Vettel und den australischen Red-Bull-Rennfahrer Mark Webber. Vettel war während einer Safety-Car-Phase ins Heck seines Konkurrenten gekracht. Hamilton, so hieß es dort, sei nur als Zeuge involviert. Fünf Tage darauf mussten alle drei erneut vor den FIA-Rennkommissaren antreten. Hinter nur unzureichend abgedunkelten Scheiben in Shanghai musste sich Hamilton zu einem umstrittenen Fahrmanöver in Japan äußern. Er wird ebenso wie die anderen beiden freigesprochen.

BMW und Williams brechen die Regeln
Und dann das Finale in Brasilien. Nach Alonsos fortwährenden Unterstellungen, er werde im Titelkampf gegen Hamilton vom eigenen Team benachteiligt, stellt die FIA auf Antrag des spanischen Motorsport-Verbandes einen Aufpasser in die Box von McLaren-Mercedes.

Doch nicht die Silbernen wurden auffällig, sondern BMW-Sauber und Williams-Toyota. Die Fahrzeuge beider Teams sollen mit zu kalten Sprit gefahren sein. Über sechs Stunden nach dem Rennen gab die FIA bekannt, dass es keine Strafen gibt. Das offizielle Endergebnis stand fest. Kurze Zeit später kündigte McLaren-Mercedes einen Protest an. Die Formel 1 kommt in diesem Jahr vorerst noch nicht zur Ruhe.

(apa/red)

22.10.2007 15:09
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