"Big-Brother-Awards": Krone-Herausgeber Dichand zum 'lebenslangen Ärgernis' gekürt
- Auch Ministerin Schmied erhält ein "Nicht Genügend"
- Lob für VfGh-Präsident Korinek als Defensor Libertatis

·"Big Brother Award" 2006 an Rauch-Kallat
"Auszeichnung" auch für Richter und Melderegister
"Krone"-Herausgeber Hans Dichand, Bildungsministerin Claudia Schmid oder der Chef der Taxi-Innung Heinrich Frey, sie alle haben im Wiener Rabenhof Theater den "Big-Brother-Award" 2007 bekommen. Mit diesem Preis werden Personen, Behörden, Institutionen und Unternehmen bedacht, die sich in "Big-Brother"-Manier wenig rühmlich mit persönlichen Daten beschäftigen. Auch international wurde "geehrt": Die US-Serie C.S.I. sowie das "European Telecom Standards Institute ".
Als "lebenslanges Ärgernis" habe sich Hans Dichand den Preis verdient, so die Veranstalter quintessenz, VIBE!AT und LUGA (Linux User Group Austria). "Ein Leben als Manipulator der Republik" könne der Krone-Herausgeber vorweisen, nicht genehme Personen seien "im Blatt denunziert, bloßgestellt oder 'unabsichtlich' mit voller Adresse und Telefonnummer veröffentlicht" worden. Wenig Schmeichelhaftes gebe es laut den "Big-Brother-Awards"-Verleiher auch über die Taxi-Innung zu berichten: Neben Datenfunk, GPS-Daten der Bewegung des Fahrzeugs, über Infrarot-Sitzkontaktsysteme, die überwachen ob der Fahrer sitzt oder nicht, bis zur Videoüberwachung im Innenraum der Autos - finde man kein zweites Gewerbe, in dem so lückenlos überwacht werde.
Nicht genügend, bitte setzen!
"Skandalkosmetik der Bildungsevidenz" hat Bildungsministerin Schmied den "Big-Brother-Award" beschert. Neben Stammdaten enthält diese laut Aussendung auch Daten wie Schulverweise, Bedarf an Förderunterricht, wie alle "Nicht Genügend", Nachzipfe, Klassenbucheinträge und soziale Auffälligkeiten. Obwohl die Zugriffsrechte auf Schulbehörden in der neuesten Version für den Ministerrat entschärft wurden, bleibe die Sozialversicherungsnummer weiterhin mit dem Gesamtdatensatz verknüpft, warnen die "Big-Brother-Awards"-Veranstalter.
Preisträger international
Internationale Preisträger sind diesmal die C.S.I.-Serien und deren Schöpfer Anthony Zuiker sowie Peter van der Arend von der "Königlichen Niederländischen Telekom" (KPN). Erstere hätten sich den Award durch "Aushebelung der Bürgerrechte als Unterhaltungsprogramm" verdient. Zweiterer gebe als Vorsitzender des Komitees "Lawful Interception" im "European Telecom Standards Institute" seit Jahren das zivile Feigenblatt". Das Komitee beschäftigt sich mit der technischen Normierung eines flächendeckenden Data-Minings in Telefonie-Verkehrsdaten, die im Zuge der "Vorratsdatenspeicherung" gesammelt werden könnten.
"Beschützer der Freiheit"
Der einzige Ausgezeichnete, der sich den "Big-Brother-Award" vielleicht sogar abholen könnte, ist der Präsident des Verfassungsgerichtshofes, Karl Korinek. Für seine Warnung im Zusammenhang mit der Terror-Bekämpfung - "Ich habe manchmal den Eindruck, wir werden ähnlich stark überwacht wie seinerzeit die DDR-Bürger von der Stasi." - bekommt er den Preis "Defensor Libertatis". (apa/red)
