Donnerstag, 8. November 2007

Ist Österreich eine Heimat für Designer?
Agenturchef nimmt die Szene unter die Lupe

  • Dominik Wachta über den Umgang mit den Talenten
  • Heimische Designer leben oft am Existenzminimum

Networld und die regelmäßige Kolumne direkt aus dem Modelbusiness: Der Inhaber einer bekannten Modelagentur, Dominik Wachta, beschäftigt sich mit allen Themen rund um Models, Laufstege, Miss-Wahlen, Magersucht usw. Heute geht`s um die Frage: Österreich - Heimat der Designer?

Es wird höchste Zeit, eine der schönsten Seiten des Model- und Fashion-Business vor den Vorhang zu holen: Die österreichische (Jung-) Designerszene. Österreich bietet eine große Vielzahl an wirklich talentierten Modemachern, den Durchbruch hingegen haben nur wenige geschafft. Wieso das?

Fehlende Talenteförderung
Meines Erachtens nach fehlt es in unserem schönen Land an der Förderung der heimischen Talente. Lieber wirft man erfolglosen, heimischen Fußballern das Geld in den Rachen, als der faszinierenden Designerszene die Chance zur Entfaltung zu geben. Das ist eigentlich sehr schade, denn in anderen Ländern würden sie für einige unserer österreichischen Einode mindestens den roten Teppich ausrollen.

Existenzminimum
Auch bekannte Designer in Österreich waren größtenteils auf sich selbst bzw. ihren Bekanntenkreis angewiesen. Wenn es eine politische Förderung gibt, dann nur für eine Handvoll Designer. Doch wirklich gute und talentierte Jungkünstler fallen durch den Rost und müssen am Existenzminimum dahin vegetieren.

Medien zeigen kein Interesse
Man wird gezwungen, selbst aktiv zu werden oder den Job zu wechseln. Viele Talente sind leider daran schon zerbrochen. Da dieses Thema in den Medien so gut wie nicht präsent ist, bisherige Initiativen meist erfolglos bis amateurhaft verliefen (von wenigen positiven Ausnahmen abgesehen!), liegt es in der Hand von uns allen.

Designerstücke
Wieso nicht einmal ein Designerhemd, oder für die Damen ein schönes Kleid, leisten und damit diesen Wirtschaftszweig beleben? Die Preise sind zumeist wesentlich günstiger als bekannte Markenprodukte, aber es sind prachtvolle Einzelstücke! Auch ich selbst gehe immer öfter mit gutem Beispiel voran und kombiniere Markenprodukte mit einem Hemd eines österreichischen Jungdesigners. Und das Echo der Leute ist überwältigend und bestätigt mich in meiner Linie.

Heimische Designer
Es gibt sicher zahlreiche, großartige Designer in Österreich, die man wärmstens empfehlen könnte. Einige kann ich Ihnen aber persönlich nahe legen, wie z.B. das Modelabel Stephani Wojtowiec (Bei der Topmodel Julia Ganster ihre Karriere begann - www.stephani.at), die großartige Schmuckdesignerin Liat Avital (www.liat.at), die "russische Österreicherin" Elea Orly (www.eleaorly.com), die spezielle Mode von Elke Freytag (www.elkefreytag.com), aber auch die peppigen Sachen von Fulani (www.fulani.at).

Förderung der Talente
Wir haben versucht diese und einige weitere Designer bei diversen Modeshows und unserem Modelwettbewerb einzubauen - leider nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ich hoffe, dass eines Tages die Medien diesen Nährboden der Kreativität entdecken werden und unsere Talente eine ähnliche Förderung, wie die Designer in anderen Ländern erfahren werden.

Dominik Wachta ist Inhaber der Model-Agentur "Jademodels International"

8.11.2007 15:19