Freeganer: Ein Menü aus der Mülltonne

Aus Protest gegen den Konsumwahn essen sie, was in Supermärkten täglich weggeschmissen wird.
Felix Hnat sitzt an seinem Esstisch hinter einem Berg Nahrungsmitteln. Hier ein paar sorgfältig drapierte Erdbeeren, da ein Körndlbrot, dort eine Stange Lauch. Fast gewinnt man den Eindruck, der 27-jährige Programmierer mache Werbung für gesundheitsbewusste Ernährung. Nie würde man auf die Idee kommen, dass all diese Produkte bereits in Mülltonnen gelegen sind. In Containern und Tonnen, die meist schön versteckt hinter Supermarktfilialen stehen
Vom Regal in den Restmüll. Rückblende um eine Stunde. Am
11. Oktober um 21 Uhr trifft NEWS zwei Freeganer (abgeleitet vom englischen free für gratis) im Zentrum von Guntramsdorf bei Wien, die ganz bewusst die Überfluss- und Wegwerfgesellschaft boykottieren, indem sie sich so weit dies möglich ist von jenen Lebensmitteln ernähren, die Abend für Abend nach Ladenschluss der Supermärkte einfach weggeschmissen werden. Felix Hnat und Stefan K. sind ausgerüstet mit Stirnlampe, Gummihandschuhen und Einkaufskörben. Während es losgeht, sagt Stefan: Ihr werdet sehen, in den Tonnen liegen so viele genießbare Nahrungsmittel wir werden nur einen Bruchteil davon mitnehmen können! Er sollte Recht behalten
Wurst und Bio-Eier. Beim ersten Kaufhaus, einer Zielpunkt-Filiale in der Nähe von Guntramsdorf, sind die grünen Müllcontainer vom Parkplatz aus frei zugänglich. Ihr Inneres gewährt gleich zu Beginn freien Blick auf den puren Zynismus, der hinter den Kulissen der bunten Konsumtempel-Welt vorherrscht. Originalverpackte Wurstwaren mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum, das ganze zwei Wochen in der Zukunft liegt stapeln sich neben unzählbaren Kartons voller Freiland-Bio-Eier, die ebenfalls erst in vier Tagen ablaufen werden. Da Felix und Stefan aus ethischen Gründen vegan leben, also keinerlei tierische Produkte zu sich nehmen, lassen sie dieses große Angebot allerdings unangetastet.
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