Mittwoch, 17. Oktober 2007

Die nächsten Arigonas

Abschiebung trotz Integration: Über 1.500 Familien kämpfen dafür, in Österreich zu bleiben. NEWS beschreibt die dramatischsten Schicksale.

Ein Bangen und Zittern, ein Abwarten und Angsthaben vor dem, was in wenigen Wochen passieren könnte. Wie ein Damoklesschwert schwebt das Datum 1. Dezember über der Familie Ganiji aus dem oberösterreichischen Grein. Dann nämlich wird die Arbeitsgenehmigung des Vaters abgelaufen sein und damit der letzte Grund, der die Familie bislang vor einer drohenden Abschiebung bewahrt hat, wegfallen.

Während das Schicksal der 15-jährigen Arigona noch die Nachrichten bestimmt, hoffen landesweit etwa 1.500 Familien, dass die durch das Mädchen ausgelöste Diskussion auch etwas an ihrer misslichen Lage ändert. Denn egal ob die Familien Ganiji, Vuquetrna, Chanlarova oder Torosian heißen, sie haben doch eines gemeinsam: Seit Jahren leben sie in Österreich, sind längst integriert, sprechen gut Deutsch, arbeiten hier, zahlen Steuern und schicken die Kinder zur Schule, wo diese oft zu den Klassenbesten zählen. Und trotzdem sollen sie alle demnächst von der Polizei abgeholt und des Landes verwiesen werden – ihr größter Wunsch, legal in Österreich leben zu können, wird sich nämlich nach geltender Gesetzeslage nicht erfüllen.

Den Bombenhagel überlebt. Dabei taten Familien wie die Ganijis aus Grein alles, um hier eine Zukunft zu haben. Im Jahr 2002 flüchteten sie vor dem Bürgerkrieg aus ihrer Heimat Mazedonien nach Österreich. „Unser Haus wurde völlig zerbombt“, erinnert sich Vater Mevljan, „wir selbst mussten vor den einschlagenden Granaten Schutz in einem Keller suchen, wo wir mit 60 anderen Menschen fünf Monate ausharrten.“ Den Entschluss, ihr Land für immer zu verlassen, haben sich die Ganijis dennoch nicht leicht gemacht. Erst als sie alles verloren hatten und keine Zukunft mehr sahen, versuchten sie sich eine solche anderswo erneut aufzubauen – und zwar in Österreich.

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17.10.2007 16:05