Das neue Album "Venus Doom" von HIM:
Organischer und weniger gestylt als bisher
- Ville Valo: "Leonard Cohen trifft Black Sabbath"
- Aber: "Nur mit nicht ganz so intelligenten Texten"

"Venus Doom" (Warner) heißt das neue Album von HIM. Ville Valo, Sänger und Mastermind der finnischen Gothic-Rock-Pop-Band, verspricht "Neuigkeiten und Veränderungen". Konkret sagte er im Interview mit der APA: "Einige Songs sind sehr lange, wir haben sogar ein Drum- und Bass-Solo drauf. Ich singe tiefer. Die Platte klingt nach Leonard Cohen trifft Black Sabbath - nur mit nicht ganz so intelligenten Texten. Also sagen wir es so: Sie klingt, als würde Cohen Texte von Ozzy Osbourne singen."
Der Sound sei immer noch sehr melancholisch, "also typisch HIM", betonte Valo. "Aber das Album wirkt organischer, weniger gestylt." Ein großes Konzept lag den Aufnahmen nicht zugrunde: "Veränderungen ergeben sich automatisch, da muss man nichts planen. Wer will sich schon permanent wiederholen? Unser Ziel war es, dass die neuen Songs auch live gut zu spielen sind."
Valo sollte eigentlich ein Gespür für Erfolg haben, zuletzt gelang ihm mit einer Coverversion von "Summer Wine", einem Duett mit Natalia Avelon, eine Top-Position in den Charts. Doch der Finne gibt sich bescheiden: "Ich habe überhaupt keine Ahnung, warum manche Songs zu Hits werden. 'Summer Wine' habe ich aus Spaß gemacht, nicht, weil ich das Hit-Potenzial erkannt habe."
Keine Fremdkompositionen
Auf "Venus Doom" gibt es keine Fremdkompositionen. "Das wäre fad. Wir haben das bereits gemacht." Aufgenommen wurde die CD in Helsinki, gemixt in Los Angeles. "In den Jahren davor haben wir in den USA aufgenommen", berichtete Valo. "Also war es Zeit, zurückzukehren. Es war wie ein Arbeitsurlaub. Im Studio lief es recht locker, weil wir zuvor viel geprobt und alle Details ausgearbeitet haben."
Valo ist zwar der Kopf der Band, versteht diese aber nicht als sein Projekt. "Es war immer eine Gruppe, von Anfang an. Natürlich sage ich, wie die Songs zu klingen haben, schließlich schreibe ich sie ja. Unsere Lieder werden immer nach HIM klingen. Ich kann meine Stimme schließlich ebenso wenig ändern wie die Musiker ihre Art, zu spielen."
Großer Fan von Neil Young
Fürs Komponieren hat Valo seine Arbeitsweise gefunden: "Die Lieder beginnen immer an der akustischen Gitarre. Ich bin ein großer Fan von Neil Young." Als Düsterling würde er sich selbst nicht bezeichnen: "Jeder von uns hat doch manchmal dunkle Momente. Nur weil ich diese in Liedern verpacke, muss ich ja nicht immer so drauf sein."
Und wie ist Ville Valo als Privatmensch? "Auf Tour hängt man viel herum, feiert, trifft Leute, besucht die coolsten Bars. Zu Hause wasche ich meine Wäsche, kaufe mein Toilettenpapier, schaue mir Filme an und versuche, den Schlaf nachzuholen."
HIM - Venus Doom, SireRecords-Warner Music
