Montag, 22. Oktober 2007

Hochleitner im Zeugenstand: Ex-Bawag- Aufsichtsrat kritisierte Wirtschaftprüfer

  • Staatskommissäre hätten besser berichten müssen
  • Drei übrigen Vorstände: "Wir sind entsetzt gewesen"

Im BAWAG-Prozess zeigte sich am 40. Verhandlungstag, wie wenig oder wie viel von den Verlusten der früheren Gewerkschaftsbank durch die Sondergeschäfte mit Wolfgang Flöttl bekannt war: Während der langjährige frühere BAWAG-Aufsichtsrat Albert Hochleitner und die damalige Leiterin der BAWAG-Rechtsabteilung, Uta Kraft, im Zeugenstand versicherten, von den Verlusten nichts gewusst zu haben, zeigte sich bei der Befragung des früheren KPMG-Prüfungsleiters der BAWAG, Anton Kampelmühler, viel Detailwissen über die damalige Lage der BAWAG nach den Verlusten, über die Stiftungen der BAWAG in Liechtenstein und die ÖGB-Garantie.

Der frühere BAWAG-Aufsichtsrat und Siemens-Österreich-Chef Hochleitner versicherte im Zeugenstand, von den riesigen Verlusten aus den Sondergeschäften mit Flöttl während seiner langjährigen Aufsichtsratstätigkeit in der BAWAG nichts erfahren zu haben. Die Welt des Aufsichtsrats habe gestimmt, da die damalige BAWAG-Führung dem Aufsichtsgremium nur Erfolgsmeldungen über die Flöttl-Geschäfte gab und nie etwas von Verlusten berichtet habe. Schon 1998 hätte der BAWAG-Aufsichtsrat von den hohen Verlusten informiert werden müssen, ist Hochleitner überzeugt. Der frühere Siemens-Österreich-Chef war 1996 als Vertreter des damaligen Miteigentümers Bayerische Landesbank (BayernLB) ins Aufsichtsgremium gekommen und blieb bis zum Frühjahr 2007.

Hätten die Aufsichtsräte damals von den Verlusten gewusst, hätten sie den Prämien und Gehaltserhöhungen für die Vorstände sicher nicht zugestimmt, versicherte Hochleitner. Der damalige BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner und Vorstand Johann Zwettler ließen sich nach dem Kauf der PSK Prämien auszahlen. Laut einem Bericht in der Tageszeitung "Der Standard" erhielten auch die übrigen Vorstände damals Gehaltserhöhungen: Demnach seien die Gehälter für die heute angeklagten Direktoren (Zwettler, Christian Büttner, Josef Schwarzecker und Hubert Kreuch) von 330.000 Euro im Jahr auf 410.000 Euro angehoben worden, also jährlich 80.000 Euro zusätzlich pro Vorstand.

Als zweite Zeugin erklärte die frühere Leiterin der BAWAG-Rechtsabteilung, Uta Kraft, die Flöttl-Geschäfte seien an der Rechtsabteilung völlig vorbei gelaufen. Die hausinternen BAWAG-Juristen seien in die Verträge mit Flöttl nie eingebunden gewesen. Erst nach dem Refco-Blitzkredit von 350 Mio. Euro vom Herbst 2005 seien sukzessive die Verluste der Bank mit Flöttl bekannt geworden. Im Restrukturierungsteam sei dann versucht worden, die Vorgänge aufzuarbeiten. Nach Meinung der nun pensionierten Juristin hätten schon 1998 die Verluste offengelegt werden sollen.

Details über die Gestaltung der BAWAG-Bilanzen ohne Darstellung der riesigen Verluste führte dann als dritter und letzter Zeuge der frühere Prüfungsleiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und heutige Geschäftsführer der BAWAG-Tochter Stiefelkönig, Anton Kampelmühler, aus. Wegen der hohen Verluste sei in der KPMG die Ausübung der Redepflicht intensiv diskutiert worden, letztlich wurde aber geschwiegen. Als Begründung führte Kampelmühler heute an, die Bank sei wegen der ÖGB-Garantie für die Verluste nicht bestandsgefährdet gewesen.

(APA/red)

22.10.2007 17:58