15.10.2007 11:08

Fußball als Integrationsfaktor bei Ivorern:
Team Vorzeigemodell nach dem Bürgerkrieg

  • Land nach Bürgerkrieg in zwei Blöcke gespalten
  • Elfenbeinküste schrieb bei Elferschießen Geschichte

Im Land von Österreichs Gegner Elfenbeinküste sind die Nachwirkungen des Bürgerkriegs 2002/2003 noch deutlich zu spüren - so leben etwa über 40 Prozent der Einwohner unter der Armutsgrenze. Zwar wurde der Konflikt zwischen dem christlich dominierten Süden und dem überwiegend von Muslimen bewohnten Norden vor einigen Monaten offiziell beendet, latentes Misstrauen zwischen den rivalisierenden Bevölkerungsgruppen ist aber nach wie vor vorhanden.

Vor diesem Hintergrund gilt die Fußball-Auswahl des größten Kakao-Produzenten der Welt als einziger echter Integrations-Faktor für die gesamte Nation. Im Freudentaumel über die erstmalige Qualifikation für eine Weltmeisterschaft waren im Herbst 2005 alle ethnischen und religiösen Differenzen vergessen, und Top-Star Didier Drogba bezeichnete die Auswahl der "Cote d'Ivoire" schon damals als Vorzeige-Modell für ein friedliches Zusammenleben in der ehemaligen französischen Kolonie, die 1960 ihre Unabhängigkeit erlangte.

"Das Team ist so, wie die Elfenbeinküste einmal war und wieder sein sollte. Wir haben Spieler verschiedenster Religionen und Stämme. Aber es gibt keine Probleme, im Gegenteil, wir haben viel Spaß. Deswegen können wir auch eine Art Vorbild sein", hatte der Chelsea-Goalgetter erklärt.

Bei der WM 2006 in Deutschland gab es dann allerdings für die Fans der "Elefanten", wie das ivorische Nationalteam genannt wird, nicht viel Grund zum Jubeln. In der wohl schwierigsten WM-Gruppe stand das Aus nach 1:2-Niederlagen gegen Argentinien und die Niederlande schon vorzeitig fest, zum Abschluss gelang immerhin noch ein 3:2 nach 0:2-Rückstand gegen Serbien-Montenegro.

Team mit Zukunft
Wenige Monate zuvor musste sich die Elfenbeinküste beim Afrika-Cup-Finale in Ägypten den Gastgebern erst im Elferschießen geschlagen geben und verpasste damit den zweiten Kontinental-Titel nach 1992. Der große Wurf soll aber ohnehin entweder beim Afrika-Cup 2008 in Ghana oder spätestens bei der WM 2010 in Südafrika folgen, immerhin sind zu diesem Zeitpunkt Kicker wie Drogba (derzeit 29), Yaya Toure (Barcelona/24), Kolo Toure (Arsenal/26), Didier Zokora (26/Tottenham) oder Salomon Kalou (Chelsea/22) im besten Fußballer-Alter.

Elfmeterspezialisten
Auch wenn das finale Shoot-Out zuletzt in Ägypten verloren ging - für ein mögliches Elferschießen bei ihrer "Heim-WM" scheinen die Ivorer dennoch gerüstet. Die Auswahl der Elfenbeinküste setzten sich beim Afrika-Cup-Finale 1992 gegen Ghana (11:10) ebenso erst nach 24 Penaltys durch wie 2006 im Viertelfinale gegen Kamerun (12:11) - es waren dies die Elferschießen mit der höchsten Anzahl von ausgeführten Strafstößen in der Geschichte des internationalen Fußballs.

(apa/red)


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15.10.2007 11:08
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