Donnerstag, 18. Oktober 2007

Noch mehr Sicherheit vor 283. Wien-Derby:
Horr-Stadion soll gewaltfreie Zone bleiben

  • Videoüberwachung und personalisierte Rapid-Tickets
  • Umfassende Sanierung für Austria-Heimstätte ab '08

Nach den schweren Ausschreitungen am 4. März 2007 im Horr-Stadion hoffen Austria und Rapid in der Heimstätte der Violetten auf einen gewaltfreien und ausschließlich sportlich hitzigen Fußball-Nachmittag. Im bis dato letzten Lokalschlager im Horr-Stadion hatten Rapid-Fans die Exekutive in wilde Auseinandersetzungen verwickelt, der Austria-Anhang hatte durch ein auf Rapid-Goalie Helge Payer geworfenes bengalisches Feuer für Negativschlagzeilen gesorgt.

Heftige Diskussion um die Fan-Szene im Land des EURO-Veranstalters Österreich waren daraufhin entbrannt, die Liga hatte auch Maximal-Geldstrafen gegen die Violetten (50.000 Euro) und die Grün-Weißen (10.000 Euro) ausgesprochen. Auch das Derby im Horr-Stadion am 22. Oktober 2005 war von Gewalt überschattet gewesen, damals war die Stimmung zwischen den Erzrivalen vor allem aufgrund des bösen Zusammenpralls zwischen Austria-Goalie Joey Didulica und Rapid-Stürmer Axel Lawaree im Mai 2005 erhitzt gewesen.

"Bewährungsprobe für die Fans"
Beide Clubs sind zuversichtlich, dass sich diesmal alles in geordnetem Rahmen abspielen wird. "Ich glaube, dass die Rivalität zwischen beiden Clubs derzeit wieder in geordnete Bahnen gelangt. Auch die Sache mit Didulica und Lawaree ist längst gegessen. Ich hoffe auf ein spannendes Duell auf dem Rasen und tolle, friedliche Atmosphäre auf den Rängen. Hoffentlich zeigen sich die Leute vernünftig", meinte Austria-Manager Markus Kraetschmer, der das Match am Sonntag auch als "Bewährungsprobe für die Fans" sieht.

Videoüberwachung und personalisierte Tickets
Um diesmal für ein friedliches Match zu sorgen, greift man nicht nur auf altbewährte Maßnahmen zurück. Zusätzlich zur Videoüberwachung und zur Rund-um-die-Uhr-Überwachung des Stadions wurden weitere Vorkehrungen getroffen. So wurden für das Spiel für die Rapid-Tribüne Ost weniger Tickets aufgelegt, nämlich nur 2.300 statt 3.000. Und Rapid greift ja seit Mitte März 2007 auf die Taktik zurück, bei Auswärtspartien ausschließlich personalisierte Tickets zu verkaufen.

"Wir wissen dadurch genau, wer im Stadion ist", berichtete Andi Marek, Klub-Service-Leiter und Fan-Beauftragter der Rapidler, die im Horr-Stadion mit einigen zusätzlichen Fan-Stewards vertreten sein werden. Außerdem wurden die Stahlrohrbänke auf der Ost, die Rapid-Fans teilweise abmontiert und auf Polizisten geworfen hatten, vor dem Hochsicherheitsspiel stabilisiert und verschweißt. Zudem wurden zwischen beiden Vereinen Sicherheitsbesprechungen und Meetings der Fan-Verantwortlichen abgehalten.

Marek will die Ereignisse vom März im Vorfeld des 283. Derbys nicht wieder aufwärmen und gab sich stattdessen zuversichtlich: "Ein Derby ist in jeder Stadt der Welt ein gewisses Risikospiel. Aber wir freuen uns auf dieses Spiel und hoffen auf einen Rapid-Sieg."

283. Derby mit weitreichenden Konsequenzen
Die Nachwehen vom Skandal-Derby im März sind übrigens noch lange nicht vorbei. Der Prozess der Austria gegen die 50.000-Euro-Strafe durch die Liga liegt laut Kraetschmer derzeit beim Neutralen Schiedsgericht, auch einige Gerichtsverfahren bezüglich Sachbeschädigungen laufen noch.

Nicht zuletzt aufgrund des erhöhten Sicherheitsrisikos im Horr-Stadion, vor allem durch die Osttribüne, plant die Austria ab Frühjahr 2008 den Umbau bzw. die Renovierung ihrer Heimstätte. In erster Linie geht es eben um die Osttribüne, seit Jahren ein riesiges Stahlgerüst. Diese soll durch eine moderne Tribüne ersetzt werden, in die zusätzliche Einrichtungen wie ein Fan-Zentrum und ein Fan-Shop integriert werden sollen. Der harte Kern der Fans wird also nach dem Umbau von der West- auf die Ost-Tribüne übersiedeln. (apa/red)

18.10.2007 16:30