Freudentaumel beim neuen Weltmeister:
Südafrika nach 2. Rugby-Titel in Euphorie
- "Springboks" trugen Präsident Mbeki vom Spielfeld
- Titelgewinn Steilvorlage für Fußball-WM in Südafrika

·Südafrika zum 2. Mal Rugby-Weltmeister
15:6-Finalerfolg über Titelverteidiger England
Südafrika bejubelt die "Springboks". Die Rugby-Spieler vom Kap der Guten Hoffnung haben mit ihrem zweiten WM-Sieg das Gastgeberland der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft in einen Freudentaumel gestürzt - und erneut Akzente für die Aussöhnung zwischen Schwarz und Weiß gesetzt.
Nach dem verdienten 15:6-Finalsieg gegen Titelverteidiger England trugen die überwiegend weißen Spieler ihren Präsidenten Thabo Mbeki im Pariser Stade de France auf den Schultern. Die Szene erinnerte an die symbolträchtige Siegerehrung durch Nelson Mandela beim ersten WM-Triumph 1995 im eigenen Land - nur ein Jahr nach der demokratischen Wende am Kap.
Die englischen Prinzen Harry und William verfolgten die Übergabe des begehrten William Webb Ellis-Pokals mit gequältem Lächeln. Vor vier Jahren hatten sie erfolgreich die Daumen für ihr Team gedrückt. Diesmal war England als Außenseiter in einem spannenden, aber wenig spektakulären Finale ohne Siegchance. Superstar Jonny Wilkinson verwertete zwar zwei Straftritte, die Südafrikaner traten das ovale Leder aber fünfmal durch die Malstangen.
Politischer Einfluss
"Es ging in diesem Finale nicht nur um die WM-Trophäe. Dieser Erfolg ist sehr wichtig für Südafrika", betonte Cheftrainer Jake White die politische Dimension. Er hatte vor dem sechswöchigen Turnier im Kreuzfeuer der Kritik gestanden, weil er für das überwiegend weiße Nationalteam nur zwei schwarze Spieler nominiert hatte.
Ein Parlamentarier hatte noch im März gefordert, der Auswahl die Pässe für die Ausreise zu entziehen. Trotz des Erfolgs wird deshalb das Weltmeister-Team in dieser Zusammensetzung nicht mehr spielen. Eine Quotenregelung soll künftig sicherstellen, dass das Nationalteam die schwarze Bevölkerungsmehrheit widerspiegelt.
Die Debatte um die am Kap noch immer bewegende Rassenfrage war am Wochenende aber erst einmal vergessen. "Der Präsident sitzt auf den Schultern und trägt das grüne Nationaltrikot. Das war ein unglaubliches Erlebnis", sagte Mannschaftskapitän John Smit. In einer landesweit ausgestrahlten Video-Botschaft erklärte Mbekis Amtsvorgänger Nelson Mandela dem siegreichen Rugby-Team: "Ihr habt uns alle stolz gemacht!"
Hunderte auf den Straßen
Ob in Kapstadt, Durban oder Johannesburg: Im ganzen Land feierten die Menschen mit Feuerwerk, Tröten und Autokorsos den von den meisten Experten vorhergesagten Sieg. Selbst in Johannesburgs schwarzem Vorort Soweto zog es Hunderte auf die Straßen. In Durban machte sich überschäumende Lebensfreude zu den hämmernden Klängen der Kwaito-Musik und den lärmenden Vuvuzela-Tröten breit.
Fans und Funktionäre machten in Interviews mehr als einmal klar, dass sie den sportlichen Erfolg der Rugby-WM als Steilvorlage für die in drei Jahren stattfindende Fußball-WM sehen. Ans Fußball-Nationalteam gerichtet meinte ein Fan auf Pretorias Church-Square: "Bafana, Bafana, das ist die Messlatte für 2010!"
England ein fairer Verlierer
"Südafrika hat den WM-Titel verdient. Sie haben ein fantastisches Turnier gespielt", sagte Wilkinson. Die sattelfeste Abwehr des neuen Weltmeisters geriet nur einmal ernsthaft in Bedrängnis, als der Engländer Mark Cueto kurz nach der Pause den Rugby-Ball im Malfeld der Südafrikaner ablegte. Nach mehrminütigem Video-Studium wurde der Versuch aber nicht anerkannt.
(apa/red)
