Beginn einer Selbstreinigung im Radsport?
Profi Eisel ortet Positives im Skandal-Jahr
- "Die schwarzen Schafe werden immer weniger"
- Sprint-Ass konzentriert sich 2008 auch auf Klassiker

Das von Doping-Skandalen überschattete Rennjahr 2007 ist eine Nagelprobe für den Radsport gewesen. Dennoch hat Österreichs Topsprinter Bernhard Eisel in Wien auch positive Aspekte darin gesehen. "Das Ganze hat dem Radsport auch geholfen", sagte der 26-jährige Steirer im Hinblick auf den Prozess der Selbstreinigung, in dem sich der Sport befindet. "Die Schwarzen Schafe werden immer weniger", versicherte Eisel.
Die verstärkten Kontrollen und die steigende Transparenz zeigen ihre Wirkung. "Verfolgt fühlen sich davon nur die, die sich etwas vorzuwerfen haben", betonte Eisel. "Man merkt, dass ein Umdenkprozess eingesetzt hat." Während in den vergangenen Jahren nur kleine Teile im Fahrerfeld ohne leistungssteigernde Mittel ausgekommen waren, so werde der aktuelle Radsport immer sauberer, meinte Eisel. "Das habe ich auch bei den Rennen im Feld gemerkt."
Bei Klassikern "versagt"
Sportlich war es bei Österreichs derzeit erfolgreichstem Radsportler 2007 nicht ganz nach Wunsch verlaufen. In Portugal und den USA fuhr der Sprinter zwar insgesamt vier Saisonsiege für sein Team T-Mobile ein, bei den Klassikern lief es aber nicht nach Wunsch. "Da habe ich heuer versagt", gestand Eisel, der in der Vorbereitung sehr viel Sprints trainiert hatte. 2008 will sich der Steirer wieder verstärkt auf die Klassiker konzentrieren - ein Metier, aus dem er ursprünglich auch kommt.
Eisel will wieder zur Tour de France
Die Tour de France will er dennoch ein weiteres Mal fahren, auch wenn mit den Jungstars Mark Cavendish (GBR) und Gerald Ciolek (GER) zwei schnellere Leute in den Reihen von T-Mobile sprinten. 35 Siege hat der deutsche Rennstall heuer eingefahren - 11 davon alleine Cavendish. "Die beiden waren heuer stärker als ich. Das muss ich zugeben", gestand Eisel. "Aber ich will wieder zur Tour. Dafür liebe ich sie einfach zu sehr." Es wäre die fünfte Frankreich-Rundfahrt für Eisel. Seine ersten vier war er allesamt ausgefahren.
Die Konkurrenz im Team wird freilich nicht geringer werden. Mit George Hincapie wurde bereits ein routinierter Klassiker-Jäger verpflichtet, auch der deutsche Altstar Erik Zabel ist bei T-Mobile im Gespräch. Der 37-jährige Sprinter ist freilich nicht unumstritten, hatte er doch im Frühjahr gestanden, 1996 für kurze Zeit das Dopingmittel EPO probiert zu haben. Zabel hatte seine große Karriere beim T-Mobile-Vorgänger Team Telekom begonnen.
Eisel steht einer Verpflichtung Zabels auch im Angesicht der Vorreiterrolle von T-Mobile im Kampf gegen Doping - die Fahrer müssen etwa drei Prozent ihres Jahresgehalts an die deutsche nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) überweisen - grundsätzlich positiv gegenüber. "Aber er ist noch immer schneller als ich." (apa/red)
