Dienstag, 23. Oktober 2007

Der "Weltverbesserer" beehrt Wien: Al
Gore kommt als Friedensnobelpreisträger

  • Seit Jahren als Redner, Autor und Aktivist unterwegs
  • FORMAT: Preisgeld geht an Klimaschutzorganisation

Ex-US-Vizepräsident Al Gore bekam nach dem Oscar auch den Friedensnobelpreis. Nach der Wahlniederlage 2000 hatte er eine neue Mission: die Welt retten. Jetzt führt ihn diese in seiner Rolle als Klimawandelreferent zum dritten Mal in die österreichische Bundeshauptstadt.

Spätnachts auf seiner Wohnzimmercouch in seinem Haus in Tennessee erfuhr er von seiner nächsten historischen Auszeichnung: dem Friedensnobelpreis. Gleich am nächsten Morgen bedankte sich Gore bei einer Pressekonferenz artig und kündigte, wie es sich für einen Weltverbesserer gehört, an, seinen Anteil am Preisgeld in der Höhe von 780.000 Dollar an die Organisation Alliance for Climate Protection zu spenden.

Der Al-Gore-Faktor
Daneben richtete Gore auch gleich wieder einen Appell an alle: "Die Welt steht vor dem planetarischen Notfall. Die Klimakrise ist kein politisches Thema, sie ist eine moralische und spirituelle Herausforderung für die Menschheit." Und das Seltsame daran ist: Der Al-Gore-Faktor wirkt tatsächlich. Kein anderer Akteur verbindet Medientauglichkeit und Glaubwürdigkeit so perfekt wie er.

Spätestens am 10. Dezember, wenn Gore den Friedensnobelpreis in Oslo entgegennehmen wird, hat sich dann eine der bemerkenswertesten Metamorphosen der jüngeren Zeitgeschichte vollzogen. Jener Präsidentschaftskandidat, der bei den US-Wahlen 2000 um 500.000 Stimmen mehr als sein republikanischer Herausforderer George W. Bush erhielt, bereits vorschnell zum Sieger ausgerufen wurde und am Ende der Schlacht doch als Verlierer vom Feld ziehen musste, wird nun von der Weltgemeinschaft hofiert und gilt als Hoffnungsträger für ein anderes Amerika.

"Ist ein Halbgott"
Unter seinen Anhängern ist der 59-Jährige einen Kultfigur, die sich nicht mehr mit politischen Querelen auseinandersetzen muss. Der demokratische Kongressabgeordnete Rahm Emanuel meinte daher auch: "Gore ist jetzt ein Halbgott, er schwebt über uns und will sich nicht in Schlammschlachten beschmutzen."

Das weiß auch Gore selbst und genießt diese neuen Freiheiten. Seit etwa vier Jahren tingelt er nun als Redner, Buchautor und Klimaaktivist durch die Welt. Mehr als 2.000-mal hielt er bereits seinen oscarprämierten Klimavortrag "Eine unbequeme Wahrheit". Aber nicht nur den Klimawandel hat sich Gore auf seine Fahnen geheftet. Auch zum Thema Internet und mobile Kommunikation referiert der Google-Berater und Apple-Aufsichtsrat vor meist gut gebuchten Zuschauerrängen.

Und so spricht Gore auf Einladung der Mobilkom Austria am 24. Oktober im Wiener Arsenal zu 800 geladenen Gästen vor dem Hintergrund des Klimawandels über Mobilität in der Zukunft. Mit seinem etwa 40-minütigen Auftritt verdient Gore im Übrigen laut Mobilkom einen "sechsstelligen Euro-Betrag", 180.000 Euro wurden von einer Tageszeitung kolportiert.

Persönlicher CO2-Abdruck
Um selbst auch weiterhin glaubwürdig zu bleiben, führt Gore penibel Buch über seinen persönlichen CO2-Abdruck - Tausende Flugmeilen inklusive. Er selbst fährt ein Hybridauto, benutzt Energiesparlampen und rät zum Pflanzen von Bäumen. Daneben ist er seit 2004 Vorsitzender einer Investmentfirma, die in erneuerbare Energien wie Solar-oder Windkraft investiert. Allerdings kann auch Gore keine blütenweiße Weste vorweisen: Im Jahr 1997 war er der Chefunterhändler der USA bei den Verhandlungen zum UN-Kyoto-Klimaabkommen, bei denen auf Druck der Vereinigten Staaten heikle Passagen entschärft und auf den Einfluss der Ölkonzerne Rücksicht genommen wurde. Gore rechtfertigt sich heute damit, damals eben nur "zweiter Mann" in Washington gewesen zu sein.

Ob er aus seiner "Halbgott"-Position nun mehr Einfluss haben wird, bleibt abzuwarten. Allerdings gibt er im Film "Eine unbequeme Wahrheit" selbst den Weg vor: "In Amerika ist politischer Wille ein erneuerbarer Rohstoff."

Die ganze Story finden Sie im aktuellen FORMAT 42/07!

23.10.2007 13:15