Donnerstag, 18. Oktober 2007

Anschlag auf Bhutto in Pakistan: Blutbad
bei Konvoi durch die Hafenstadt Karachi

  • Dutzende Tote. Ex-Regierungschefin unversehrt
  • Kehrte nach acht Jahren im Exil in Heimat zurück

Ein Selbstmordanschlag mit mindestens 78 Toten und mehr als 150 Verletzten hat die Rückkehr der ehemaligen pakistanischen Regierungschefin Benazir Bhutto aus dem Exil überschattet. Zwei mutmaßliche Selbstmordattentäter hätten sich in der südpakistanischen Hafenstadt Karachi unmittelbar neben dem Konvoi Bhuttos in die Luft gesprengt, sagte Innenminister Aftab Sherpao. Dabei wurden mindestens 78 Menschen getötet. Bhutto selbst blieb unverletzt. "Benazir Bhutto war das Ziel, aber sie wurde nicht verletzt", sagte ein hochrangiger Vertreter ihrer Pakistanischen Volkspartei.

Muslimische Extremisten hatten Selbstmordanschläge gegen Bhutto angekündigt. Nach Angaben von Augenzeugen kam es zu zwei Explosionen nahe ihres Fahrzeugs. Nach ihrer Ankunft wollte Bhutto zunächst zum Mausoleum von Pakistans Staatsgründer Muhammad Ali Jinnah und später zu ihrer Familienresidenz fahren. Menschenmassen waren am Rande der Strecke. Mehr als 10.000 Polizisten sollten für die Sicherheit der PPP-Chefin sorgen.

Einer ersten kleineren Explosion folgte eine gewaltige Detonation nur Meter entfernt von dem Lastwagen, auf dem Bhutto während einer Jubelfeier zu ihrer Heimkehr durch die Straßen von Karachi gefahren wurde. Mehr als 150.000 Anhänger hatten sich zu ihrer Begrüßung versammelt.

Bhutto aus Exil zurückgekehrt
Bhutto war erste wenige Stunden zuvor aus dem Exil zurückgekehrt. Die ehemalige Regierungschefin strebt bei den Wahlen im Jänner ein politisches Comeback an. Mit Tränen in den Augen stieg sie aus der Linienmaschine, die sie von Dubai nach Karachi gebracht hatte. Auf dem Flughafen bereitete ihr die Menschenmenge einen jubelnden Empfang.

Die 54-Jährige kehrt nach acht Jahren in einer Zeit der politischen Unsicherheit nach Pakistan zurück. Der Anfang des Monats vom Parlament wiedergewählte Präsident Pervez Musharraf sieht sich einer wachsenden Opposition gegenüber. Zur Stärkung seiner Position führte er mit Bhutto Gespräche über ein mögliches Bündnis. Im Gegenzug erhielt Bhutto die Zusage, dass sie nach ihrer Rückkehr nicht mit einer Strafverfolgung wegen Korruption zu rechnen habe. Die Politikerin genießt in weiten Teilen der Bevölkerung hohes Ansehen.

Hunderte von festlich geschmückten Bussen und anderen Fahrzeugen säumten die Hauptstraße vom Flughafen nach Karachi. Überall waren die rot-grün-schwarzen Farben der Volkspartei zu sehen. Vor ihrem Abflug in Dubai bezeichnete Bhutto ihre Rückkehr als ein Wunder und sagte, sie hoffe auch auf "ein Wunder für die verarmten Menschen in Pakistan, die sich verzweifelt nach Änderungen sehnen, die Sicherheit, Chancen und Arbeiten wollen". Ihre Rückkehr stand in deutlichem Gegensatz zum Versuch des früheren Regierungschefs Nawaz Sharif, aus dem Exil zurückzukehren. Der 1999 von Musharraf gestürzte konservative Politiker der Muslimliga wurde unmittelbar nach seiner Ankunft am 10. September wieder in ein Flugzeug gesetzt und nach Saudi-Arabien abgeschoben.

(APA/red)

18.10.2007 23:06