Montag, 15. Oktober 2007

Terrorbotschaft gegen Polens Irak-Einsatz:
"Werden wie die Briten im Sumpf ertrinken"

  • Terroristen wollen damit den Truppenabzug erreichen
  • Schon zwei Anschläge nahe der polnischen Botschaft

Vor der Parlamentswahl in Polen haben irakische Terroristen dem Land in einer Videobotschaft mit weiteren Anschlägen gedroht, sollte es sich nicht aus dem Zweistromland zurückziehen. "Wenn Polen sich aus dem Krieg nicht zurückzieht, wird es im Sumpf ertrinken, ähnlich wie Großbritannien", heißt es in der der Nachrichtenagentur Reuters zugespielten Mitteilung.

Addressat sind die bisher unbekannten Brigaden von Imam Hussein und Imam Musa al-Kadimiin. Diese hatten sich zu den jüngsten Anschlägen auf polnische Ziele im Irak bekannt. Am 3. und 8. Oktober kam es in der Nähe der polnischen Botschaft in Bagdad zu zwei Bombenanschlägen. Beim ersten ist ein polnischer Offizier ums Leben gekommen und der polnische Botschafter im Irak, Edward Pietrzyk, wurde schwer verletzt.

Polnische Truppen foltern?
"Wir möchten Polen sagen, dass alle seine Vertreter im Irak zum Ziel unseres Widerstandes werden, darunter Diplomaten, Firmen und die Armee. Eine Ausnahme machen wir nur für Journalisten. Die Attacken sind eine natürliche Reaktion darauf, was polnische Truppen in Diwaniya machen, von Mord bis zu Festnahmen und der Folterung von Menschen", sagte einer der vier maskierten irakischen Kämpfer, die im Video zu sehen sind.

Es ist unklar, warum die Terroristen den Polen Foltervorwürfe erhoben haben. In der polnischen Hauptbasis in Diwaniya gibt es kein Gefängnis, sondern nur ein Verwahrungszentrum, in dem die Festgenommenen auf ihre Übergabe an die Iraker oder an die Amerikaner warten. Es gab bisher keine Beschuldigungen, dass polnische Soldaten, wie die Amerikaner 2004 im Gefängnis Abu Ghraib, Iraker gefoltert hätten.

Spanien als Vorbild
Laut Experten versuchen die Terroristen den in Polen geführten Wahlkampf auszunutzen, um den Rückzug der polnischen Truppen aus dem Irak zu erreichen. Sie hoffen auf eine Wiederholung des Szenarios, das sich in Spanien 2004 abgespielt hat. Am 11. März 2004 kamen sind bei Terroranschlägen in Madrid 191 Personen ums Leben, 1.900 wurden verletzt. Drei Tage später gewannen die oppositionellen Sozialisten die Parlamentswahl. Bereits am Tag nach seinem Sieg gab der spanische Premier Jose Luis Rodriguez Zapatero die Entscheidung über den Rückzug der spanischen Truppen aus dem Irak bekannt.

Beobachtern zufolge war der entscheidende Grund für den sozialistischen Wahlsieg jedoch nicht ihrer Anti-Kriegslinie, sondern die Tatsache, dass die damalige konservative Regierung in der Öffentlichkeit falsche Angaben über die Hintergründe der Anschläge gemacht hat und sie der baskischen Untergrundorganisation ETA in die Schuhe schieben wollte.

Polnisches Volk gegen Irak-Einsatz
Die Beteiligung am Irak-Einsatz ist seit dem vergangenen Wochenende tatsächlich Wahlkampfthema in Polen. Im Fernsehen ist der Wahlspot des national-konservativen Wahlbündnisses Liga der Rechten Polens (LPR), in dem die rechtskonservative Regierungspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit) aber auch die oppositionelle rechtsliberale Bürgerplattform (PO) und das Bündnis der Demokratischen Linken (SLD) für den Tod der polnischen Soldaten im Irak verantwortlich gemacht werden. Die meisten Polen sprechen sich gegen den polnischen Irak-Einsatz aus. (apa/red)

15.10.2007 13:11