Dienstag, 9. Oktober 2007

59. Frankfurter Buchmesse auf Rekordjagd:
Mehr Autoren und Aussteller zu verzeichnen

  • Österreichs Verlage diesmal weniger stark vertreten
  • Digitale Produkte machen bereits dreißig Prozent aus

Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat zur Eröffnung der 59. Frankfurter Buchmesse mehr Geld und mehr Engagement für die Bildung gefordert. "Wir müssen mehr öffentliche Investitionen in die Bildung lenken", sagte er. Die Gesellschaft müsse sich zudem intensiver um jene kümmern, "die wegen mangelnder Bildungschancen zu Außenseitern zu werden drohen". Wer schon in frühen Jahren Bildungsdefizite habe, der werde sein Leben lang auf der Verliererseite stehen. Gerade das Lesen und das Vorlesen sei für Kinder und Jugendliche enorm wichtig.

Die weltgrößte Bücherschau öffnet mit einer Rekordbeteiligung von 7.448 Ausstellern aus 108 Ländern ihre Tore. Insgesamt werden bis Sonntag auf rund 172.000 Quadratmetern fast 400.000 Titel und andere Produkte gezeigt, davon mehr als 120.000 Neuerscheinungen. Erwartet werden mehr als 280.000 Besucher. Ehrengast ist die katalanische Kultur. Katalonien ist die wirtschaftsstärkste Region Spaniens und hat eine eigene Sprache.

Zum Auftakt der Messe zeigte sich die Branche optimistisch. Der Umsatz in den erste drei Quartalen dieses Jahres stieg nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels um mehr als vier Prozent. "Nach negativen Umsatzzahlen hat sich die Buchbranche wieder gefangen", sagte der Vorsteher des Börsenvereins, Gottfried Honnefelder. Eine Konjunkturumfrage habe außerdem ergeben, dass 40 Prozent der Buchhändler ihre Umsatzentwicklung in diesem Jahr besser einschätzten als im Vorjahr. "Die Stimmung in der Branche ist gut."

Der katalanische Präsident Jose Montilla Aguilera nannte die weltgrößte Bücherschau bei der Eröffnung eine Plattform, um einen weiteren Schritt in Richtung der Anerkennung der katalanischen Sprache "als offizielle europäische Sprache" zu gehen. "Denn die katalanische Sprache ist die Sprache unseres Landes, in dem sie in friedlichem Nebeneinander - und in Wirklichkeit ohne die oft künstlich herbeigeredeten Konflikte - mit dem Spanischen besteht, das ebenfalls Teil des kulturellen Erbes der katalanischen Gesellschaft ist", sagte Aguilera. Der katalanische Schriftsteller Quim Monzo ("100 Geschichten") hielt die literarische Eröffnungsrede.

Buchmessen-Direktor Juergen Boos hatte vor der Eröffnung bedauert, dass die auf Spanisch schreibenden Autoren Kataloniens sich nicht an der offiziellen Präsentation des Ehrengastes beteiligten. "Ich finde es schade, dass wir nicht die gesamte Vielfalt der katalanischen Kultur hier haben." Die Gründe für die Absagen lägen irgendwo zwischen Nationalismus, regionalen Streitigkeiten, individuellen Eitelkeiten und dem Wunsch, die Bühne weniger bekannten Autoren zu überlassen, sagte Boos. (apa/red)

9.10.2007 18:45