9.10.2007 14:45

"Schlacht von Bern" ohne Konsequenzen:
Schweizer Hauptstadt bleibt weiter EM-Ort

  • Weibel: "Jetzt zählt nur noch der Lernprozess"
  • Prämienbesteuerung bei EURO 2008 noch ungeklärt

Die "Schlacht von Bern" steckt auch den Verantwortlichen der EURO 2008 in den Knochen. Benedikt Weibel, Gesamtkoordinator der Schweizer Regierung und damit Gegenstück zu Heinz Palme in Österreich, sieht jedoch keinerlei Veranlassung, die Schweizer Hauptstadt als Austragungsort der Fußball-EM in Frage zu stellen. "Es ist eben passiert", erklärte Weibel in Bern, "jetzt zählt nur noch der Lernprozess."

"Jede Krise ist auch eine Chance", argumentierte Weibel, "nun müssen daraus die Schlüsse gezogen werden." Allerdings seien die gesetzlichen Grundlagen "bei einem Sportereignis besser als sonst". Forderungen diverser Politiker, wonach das "Stade de Suisse" als Spielort der EURO 2008 zurückgezogen werden sollte, sind für Weibel reines Wahlkampfgetöse. In der Schweiz finden am 21.Oktober Parlamentswahlen statt.

In Bern hätte ein Umzug von Anhängern der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) stattfinden sollen, der von einigen Dutzend Mitgliedern des linksautonomen "Schwarzen Blocks" verhindert wurde. Sie verwickelten die Polizei in Straßenkämpfe und richteten erheblichen Sachschaden an. Nach Angaben der Nachrichtenagentur sda gab es 21 Verletzte, darunter 19 Polizisten, und 42 Festnahmen.

Sicherheitaspekt als zentrales Thema
Das Sicherheitsthema sei ein zentrales Thema der Vorbereitungen zur EURO 2008, meinte Weibel. Allerdings habe die Schweiz eine stark föderalistische Struktur. So sei die Hoheit der Polizei in den Kantonen ein "unantastbares Gut". Allerdings habe man aus ähnlichen Randalen der vergangenen Jahre - etwa bei Protesten gegen das Davoser World Economic Forum (WEF) - gelernt. Die Zusammenarbeit der Exekutive sei bereits stark verbessert worden.

Das Schweizer Sicherheitskonzept für die EURO 2008 sieht eine Palette möglicher Störungen während des Fußball-GroßereignisseS vor, unter anderem Hooliganismus, Terrorismus, gewalttätiger Extremismus oder allgemeine Kriminalität. Bezüglich der endgültigen Maßnahmen wird aber noch die Auslosung am 2. Dezember in Luzern abgewartet, wenn feststeht, welche Mannschaften tatsächlich an welchen Orten spielen werden.

Besteuerung der Spielerprämien ungeklärt
Prinzipiell ist Weibel mit dem Stand der Vorbereitungen - auch hinsichtlich der Verkehrskonzepte - zufrieden. Probleme gebe es aber nach wie vor in der Frage um die Besteuerung von Spielerprämien. "Die Steuerverwaltungen beider Länder sind der Meinung, diese Prämien sind steuerpflichtig. Die UEFA stellt sich aber auf den Standpunkt, sie bezahle gar keine Prämien. Die UEFA zahlt ein kick-back an die Landesverbände und die Landesverbände zahlen allenfalls Prämien nach ihren eigenen Schlüsseln."

Das sei rechtlich aber umstritten, meinte Weibel. Fakt sei aber, dass es bei der WM-Endrunde in Deutschland eine Pauschallösung mit der FIFA gegeben habe. Ähnliches erhofft sich Weibl nun auch für die Schweiz und Österreich. "UEFA-Präsident Michel Platini hat zugestimmt, eine Pauschallösung für unsere beiden Länder einzuführen. Das wäre sehr von Vorteil. Es schaut jetzt gut aus und ich hoffe, dass wir eine Lösung finden. Es wäre auch für die politische Hygiene wichtig. Aber manchmal gehen die Dinge eben langsam vonstatten."

(apa/red)

9.10.2007 14:45
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