Dienstag, 6. Mai 2008

Namensfrage mit ideologischem Charakter:
"Myanmar" pro und "Burma" kontra Junta

  • Kontrahenten verweigern strikt den anderen Namen
  • Die Umbenennung sollte nationale Identität stärken

Bei "Burma" und "Myanmar" handelt es sich nicht um zwei unterschiedliche Bezeichnungen des südostasiatischen Krisenlandes, wie Experten und Exil-Burmesen immer wieder betonen. Die Formulierung "Myanmar, das ehemalige Burma" sei daher ein nicht auszurottender Unfug, so als würde man sagen: "France, das ehemalige Frankreich".

Der Beschluss der burmesischen Militärmachthaber von 1989, im internationalen Verkehr ausschließlich die Staatsbezeichnung "Myanmar" zuzulassen, stellt keine "Umbenennung" oder "Namensänderung" dar - wie etwa Benin/Dahomey, Sri Lanka/Ceylon, Zaire/Kongo, Burkina Faso/Obervolta.

Vielmehr hat das Regime dekretiert, wie der Landesname generell in Fremdsprachen zu transkribieren ist. So waren auch die Roten Khmer in Kambodscha verfahren, als sie nur die Transkription "Kampuchea" akzeptieren wollten. Die Regierung der westafrikanischen Elfenbeinküste hatte ebenfalls die "Unübersetzbarkeit" des französischen Landesnamens "Cote d'Ivoire" verfügt.

Name für größte Bevölkerungsgruppe
"Bama" mit undeutlich ausgesprochenem ersten "a", von dem sich das englisch ausgesprochene Burma herleitet, und "Myanma" sind seit jeher die Bezeichnungen für die größte Bevölkerungsgruppe der Bamar in ihrer eigenen Sprache und für ihr Land. Dazu kommen Unterschiede in der Aussprache durch die Dialekte, denn je nachdem, wie stark man die Lippen schließt und wie viel Druck beim ersten Konsonanten entsteht, ist der Übergang von "b" zu "m" fließend.

Der Namens-Befehl der Junta vom 18. Juni 1989 sollte die eigene nationale Identität gegenüber der kolonialen Namensgebung betonen. Die Demokratiebewegung unter Aung San Suu Kyi trat für die Beibehaltung von "Burma" ein. Die Namensfrage hat einen ideologischen Charakter: Wer gegen die Junta ist, darf nicht von "Myanmar" sprechen, wer mit dem Regime sympathisiert, kann nur diesen Namen verwenden. (apa/red)

6.5.2008 14:41