Freitag, 12. Oktober 2007

US-Armee tötet 15 Zivilisten im Irak:
Weitere Opfer durch Selbstmordattentat

  • Soldaten orteten irrtümlich Treffpunkt der Al-Kaida

Zum Beginn des Festes des Fastenbrechens sind im Irak zahlreiche Zivilisten ums Leben gekommen. Die US-Armee räumte die Tötung von 15 Frauen und Kindern bei einem Luftangriff rund hundert Kilometer nordwestlich von Bagdad ein. Auch 19 mutmaßliche Aufständische seien getötet worden.

Ein Selbstmordattentäter zündete einen Sprengsatz auf einem Spielplatz in der nordirakischen Stadt Tus und tötete ein siebenjähriges Kind sowie einen 35-jährigen Vater. 20 Kinder wurden verletzt. Eine Autobombe in der irakischen Hauptstadt riss zwei Polizisten und zwei Zivilisten in den Tod und verletzte 15 weitere Menschen.

Geheimdienst führte zu Zivilistenmassaker
Laut einem Sprecher der US-Armee lagen den Streitkräften Geheimdienstinformationen vor, denen zufolge sich in der Nähe des Thathar-Sees Mitglieder des Terrornetzwerks Al Kaida trafen. Bei einem ersten Luftangriff seien vier mutmaßliche Aufständische getötet worden. Bei einem zweiten Luftangriff auf eine Gruppe, die an einem anderen Ort südlich des Sees neu zusammengekommen war, seien 15 "Terroristen", daneben aber auch sechs Frauen und neun Kinder ums Leben gekommen. Zwei Verdächtige sowie eine Frau und drei Kinder seien verletzt worden. Ein Terrorverdächtiger wurde demnach festgenommen.

Bombe statt Süßigkeiten
Der Attentäter in Tus, rund 75 Kilometer südlich von Kirkuk, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, war Polizeiangaben zufolge als Süßigkeiten-Verkäufer verkleidet und hatte seinen Sprengsatz in einem Verkaufswagen versteckt. Der getötete Vater, der mit seinen Kindern zum Fest des Fastenbrechens zu dem Spielplatz gekommen war, habe vergeblich versucht, die Explosion zu verhindern, sagte ein ranghoher Polizist. Der Attentäter dagegen habe schwer verletzt überlebt. Er werde in einem Krankenhaus in Kirkuk behandelt und sei in kritischem Zustand. Unter anderem habe er durch die Explosion ein Bein verloren.

Beim Fest des Fastenbrechens, das für Sunniten im Irak begann, besuchen Familien traditionell Verwandte oder treffen sich in öffentlichen Parks. Bereits zuvor wurden die Feierlichkeiten von einem Selbstmordanschlag überschattet: Der Attentäter fuhr seinen Wagen nach Angaben der Behörden in ein Internetcafe in Bagdad, in dem vor allem junge Leute saßen und Domino spielten. Mindestens acht Menschen starben demnach, 25 weitere wurden verletzt. (apa/red)

12.10.2007 13:55