Sonntag, 14. Oktober 2007

Geheimgespräch von Platter und Arigona:
Darf die 15-Jährige in Österreich bleiben?

  • Es komme "keinesfalls zu unfreiwilliger Rückkehr"
  • Schmieraktion gegen Dechant Friedl in Ungenach

Innenminister Günther Platter hat erstmals die zwei Wochen lang untergetauchte 15-jährige Kosovorin Arigona Zogaj getroffen, meldeten mehrere Zeitungen. Bei diesem "Geheimgespräch" in Oberösterreich habe Platter versichert, dass es "keinesfalls zu einer unfreiwilligen Rückkehr" in den Kosovo kommen werde. Es werde auch keinerlei fremdenpolizeiliche Maßnahmen geben. Ungenachs Pfarrer Friedl, der Arigona Zogaj während ihrer Flucht unterstützte, wurde indes Opfer von Schmieraktionen.

Außenministerin Ursula Plassnik erklärte im "Kurier", man müsse nach Lösungen suchen, die haltbar seien und für alle gelten. "Wir brauchen strenge Gesetze, aber keine Härtefälle". Plassnik wandte sich dagegen, den Innenminister als unmenschlich und hartherzig hinzustellen. "Es kann nicht sein, dass ungeachtet der rechtlichen Rahmenbedingungen das Schicksal eines Menschen anders gewertet wird, wenn er zum Objekt einer öffentlichen Kontroverse geworden ist". Arigona habe ihre Situation am Freitag selbst dargelegt, jetzt werde eine Lösung gefunden werden. Dass die Abschiebepraxis in Österreich mit nächtlichen Deportationen in einer ausländischen Zeitung beschrieben werde, wies Plassnik zurück und sprach von "Ahnungslosigkeit".

Schmieraktion gegen Dechant Friedl in Ungenach
Der Pfarrer von Ungenach Dechant Josef Friedl, der Zogaj nach ihrer Flucht vor Abschiebung Unterschlupf gewährt, stößt damit nicht auf ungeteilte Zustimmung. Jüngst hat es im Ort eine Schmieraktion gegeben. Die Friedhofsmauer und drei Busstationen sind betroffen.

Die unbekannten Täter haben mit rotem Lack in etwa 20 Zentimeter großen Lettern unter anderem "Mullah Friedl", "Verräter Friedl raus", "Partisan Friedl" und "Moschee Friedl" gesprayt. Der Geistliche berichtete: "Ich habe heute schon um 6.00 Uhr gekratzt". Er trägt den Vorfall mit Fassung und meinte bloß: "Manche Leute wollen mich wohl lieber im Gefängnis sehen". Die Sachbeschädigung wurde der Polizei angezeigt. Die Beamten ermitteln.

(apa/red)

14.10.2007 18:37