Freitag, 12. Oktober 2007

'Habe die ganze Zeit Angst gehabt': Arigona
Zogaj stellt sich erstmals der Öffentlichkeit

  • 15-Jährige berichtet über ihre Flucht vor der Polizei
  • Bald wird Oberösterreicherin ihre Mutter treffen

Die 15-jährige Arigona Zogaj, deren Familie teilweise in den Kosovo abgeschoben wurde und die von Pfarrer Josef Friedl in Ungenach (Bezirk Vöcklabruck) betreut wird, hat erstmals eine Pressekonferenz gegeben. Es habe noch immer Angst vor einer Abschiebung, erklärte das Mädchen, einen kleinen Teddybären fest umklammernd, im bis auf den letzten Platz gefüllten Pfarrsaal. "Der ist schon kommod", sagte Arigona über den Geistlichen.

Die 15-Jährige, die sichtlich nervös, aber die meiste Zeit gefasst wirkte, berichtete von ihrer rund zweiwöchigen Flucht: "Ich habe mich schlecht gefühlt und die ganze Zeit Angst gehabt." Sie habe nicht mehr klar denken können, so Arigona. Nachdem sie erfahren habe, dass ihre Familie abgeschoben wird, sei sie geflüchtet und habe sich alle 24 Stunden an einem anderen Ort aufgehalten. Schließlich sei sie in Wien untergetaucht. Das Video von ihr sei als Lebenszeichen für ihre Mutter aufgenommen worden, berichtete die Schülerin.

Hatte bei Fahrt Angst vor der Polizei
Schließlich sei ihr mitgeteilt worden, dass sie Pfarrer Friedl abholt. Entschieden habe das nicht sie, sondern jemand anderer. Auf der Autofahrt mit dem Geistlichen nach Oberösterreich "habe ich Angst gehabt, dass mich die Polizei erwischt". In Ungenach - nicht mehr weit weg von daheim und von den Freunden - sei es etwas leichter gewesen, erklärte Arigona. Im Pfarrhof habe sie sich gefreut, dass sich auch eine Frau um sie kümmere. Später begegnete das Mädchen Landeshauptmann Josef Pühringer. "Du brauchst dich nicht fürchten", habe dieser gesagt, in den kommenden zwei Monaten - bis zu einer erwarteten Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs - passiere ihr nichts, sei ihr versichert worden.

Das Mädchen sei inzwischen innerlich gefasst, berichtete Friedl. Als die Sprache auf ihre beiden kleinen Geschwister kam, rannten Arigona aber Tränen über das Gesicht: Sie vermisse ihre Familie sehr, diese solle wieder nach Österreich kommen, sagte sie. Mit ihrer Mutter, die das Krankenhaus inzwischen verlassen hat, habe sie bereits telefoniert. Sie wolle am liebsten wieder in die Schule gehen, eine Friseurausbildung machen und mit ihren Geschwistern in Österreich leben, sagte Arigona: "Wir waren immer zusammen."

Vor fünf Jahren zum letzten Mal im Kosovo
Im Kosovo sei sie das letzte Mal vor fünf Jahren gewesen, erzählte die 15-Jährige, die "ein wenig albanisch" spricht. Diese Woche habe sie vom Krieg geträumt und dass sie und ihre Familie abgeschoben werden. Das Mädchen habe in der Nacht deswegen aufgeschrien, berichtete Friedl. Auf die Frage, ob sie mit Innenminister Günther Platter reden wolle, sagte sie: "Wenn mir das hilft, dann schon."

(apa/red)

12.10.2007 16:46