Freitag, 12. Oktober 2007

Politik-Legende verabschiedet sich: Ex- Innenminister Caspar Einem nimmt den Hut

  • Wechsel in die Privatwirtschaft zur "Jetalliance AG"
  • Kanzler Gusenbauer dankt, Kollege Cap bedauert

Caspar Einem nimmt den Hut. Der frühere Innenminister und Paradelinke der SPÖ kehrt der Politik den Rücken. Er legt Ende Oktober sein Abgeordnetenmandat nieder und scheidet auch aus seinen Parteifunktionen schrittweise aus. Er sei von nichts und niemandem aus der Politik "vertrieben" worden, er wollte einfach nie Abgeordneter einer Regierungspartei sein und hat zum richtigen Zeitpunkt ein Angebot bekommen, sagte Einem. Das Angebot kam vom Bedarfsflugunternehmen "Jetalliance AG", einer früheren Magna-Tochter.

"Ich scheide mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Jahre in der Politik waren ungemein erfüllend und intensiv, beglückend und auch mit schwierigen Momenten versehen", sagte der derzeit noch außenpolitische Sprecher der SPÖ. Er habe das "große Privileg" gehabt, "ganz oben einzusteigen", so Einem, der 1994 unter Franz Vranitzky Beamtenstaatssekretär im Bundeskanzleramt wurde. Nicht einmal ein halbes Jahr später wurde er Innenminister. Als eine Spende Einems für das linksextreme "Tatblatt" ruchbar wurde, stand er am Rande des Abschusses. Einem blieb, aber innerhalb der Polizei war er nachhaltig beschädigt.

Hinzu kam, dass es der Innenminister nicht schaffte, dass unter ihm die Brief- und Rohrbombenattentate von Franz Fuchs geklärt wurden. Das geschah unter seinem Nachfolger Karl Schlögl. Zu diesem Zeitpunkt war Einem schon im Wissenschafts- und Verkehrsministerium tätig. Seine Tätigkeit in der Regierung beschreibt Einem heute als "fünf sehr erfüllte Jahre".

"Gestellte Aufgabe erfüllt"
Nach dem Wechsel zu Schwarz-Blau und den unerfüllten Hoffnungen auf den Partei-Vorsitz, zog Einem als Abgeordneter in den Nationalrat ein. Heute sagt er, dass er damals "einen Beitrag" leisten wollte, damit die SPÖ wieder Kanzlerpartei werde. "Nun ist die Regierung unter Alfred Gusenbauer gefestigt im Amt und auf einem guten Weg. Damit habe ich die mir gestellte Aufgabe erfüllt", so Einem, der vor kurzem seine Aufgabe als Europasprecher verloren hat.

Somit sei für ihn der Zeitpunkt gekommen, "wo man sich entscheiden kann - nicht muss, aber kann", so der frühere Minister. Als 59-Jähriger hätte er die Zeit als Abgeordneter "freudvoll" auslaufen lassen können oder aber eine neue Herausforderung annehmen. Das habe er nun gemacht.

Freundlich verabschiedet
Von seinen Parteifreunden und der ÖVP wurde Einem mit freundlichen Worten verabschiedet. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) dankte ihm "herzlich" für seinen "jahrelangen engagierten Einsatz für die Republik Österreich und die Sozialdemokratie". Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S) sprach von einem "menschlichen, politischen und fachlichen Verlust für das Parlament". Bedauern über den Rückzug Einems äußerte SP-Klubchef Josef Cap.

Der Zweite Nationalratspräsident Michael Spindelegger bezeichnete Einem vor allem in seinen Funktionen als außenpolitischer Sprecher und Europasprecher als "äußerst kompetenten und konstruktiven Gesprächspartner", verwies aber auch auf Ansätze und Zugänge in anderen Bereichen, "die gänzlich anders waren als meine". Freudig reagierte das BZÖ auf den Abschied Einems. "Eine gute Nachricht", meinte Generalsekretär Gerald Grosz.

Einem, geboren am 6. Mai 1948 in Salzburg, stammt aus einem bürgerlichen Umfeld. Sein Vater war der berühmte Komponist Gottfried von Einem, seine Mutter Lianne von Bismarck. Nach der Matura absolvierte Einem beim Bundesheer ein Jahr freiwillig, später widmete er sich einem Jus-Studium mit Doktoratsabschluss. Nach Studienende versuchte er sich als Bewährungshelfer, arbeitete zehn Jahre in der Arbeiterkammer, ehe er in die SPÖ-Kaderschmiede ÖMV wechselte und von dort in die Regierung kam.

(apa/red)

12.10.2007 18:43