Mittwoch, 3. Oktober 2007

Reifen & Klimaschutz liegen nah zusammen: Geringer Rollwiderstand kann CO2 einsparen

  • Auch ein asymmetrisches Profil wirkt sich positiv aus
  • Reifenbenutzung umweldschädlicher als Herstellung

Laufflächenmischung, Rollwiderstand, Bodenaufstandsfläche, Druckspitzen, asymmetrische Profile haben mehr mit Umweltschutz zu tun, als der erste Eindruck vermuten lässt. Burkhard Wies, Leiter der Pkw-Reifenentwicklung beim deutschen Reifen-Multi Continental, plauderte aus dem technologischen Nähkästchen. Fazit: Zeig mir deine Autoreifen und ich sage dir, ob du etwas für die Umwelt tust.

"Durch die Verwendung von Nano-Zinkoxid-Teilchen kann in der Reifenmischung auf bis zu 90 Prozent des früher benötigten Zinkoxides verzichtet werden", erklärte Wies. Benötigte man früher pro Kilo Reifenmischung rund 15 Gramm, sind es heute nur noch 1,5 Gramm. "Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Entlastung der Umwelt, da Zinkoxid zwar nicht für die Menschen, jedoch für zahlreiche Wasserorganismen als umweltschädlich eingestuft wird."

Nanotechnologie
Die Mischungstechniker greifen deshalb auf neuste Kenntnisse aus der Nanotechnologie zurück: Für die Reifenvulkanisation - dem chemisch-technischen Verfahren, bei dem Reifen widerstandsfähig gemacht werden - wird die Oberfläche der Zinkoxide benötigt, die bei der Verwendung von Nano-Teilchen deutlich größer ist und auf diesem Weg hilft, den Einsatz des belastenden Stoffes zu reduzieren.

Benutzung schädlicher als Herstellung
Die Ökobilanz konventioneller Pkw-Reifen birgt laut Wies ein überraschendes Ergebnis: Weder in der Herstellung der Rohstoffe, noch für deren Transport oder die Herstellung selbst sei nur annähernd so viel Energie nötig, wie die anschließende Nutzung der Reifen verbrauche. Auch die Umweltbelastung in Form von Treibhauseffekt, Versauerung oder Sommer-Smog seien nicht im Geringsten so massiv wie der Reifeneinsatz.

Weniger CO2
"Schon die Herstellung der Reifen hat sich aus ökologischen Gesichtspunkten in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert", so Wies. Beispiel: Bei einem Lkw bedeute die zehnprozentige Verbesserung im Rollwiderstand eine Einsparung von Dieselkraftstoff von 1,3 Litern auf 100 Kilometer und reduziere die CO2-Emission um 35 Gramm pro Kilometer. Dies entspreche einer Einsparung von 1,8 Millionen Tonnen im Jahr sowie einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes um vier Prozent. Auch die jährliche Kraftstoff-Ersparnis belaufe sich auf vier Prozent, bei Pkw sogar sieben Prozent.

Rollwiderstand sinkt
Experten gehen davon aus, dass ein Pkw-Reifen in 30 Jahren nur noch die Hälfte des heute üblichen Rollwiderstandes aufweisen wird. Wichtig sei dabei die Kombination der rollwiderstandsarmen Laufflächenmischung mit einem möglichst breiten, ausgewogenen "Fußabdruck" des Pneus. Wies: "Schon bei der Reifenproduktion muss die Bodenaufstandsfläche so vorgeformt werden, dass möglichst wenig Druckspitzen entstehen. Und je weniger Druckspitzen, desto geringer ist dann auch der Rollwiderstand."

Jeder Teil hat seine Aufgabe
Noch eine technologische Neuerung, der den Umweltschutz fördert: das asymmetrische Profil. Es funktioniert "arbeitsteilig", soll heißen: Die Reifeninnenseite sorgt für die Ableitung von Wasser, die Reifenmitte für kürzeste Bremswege und guten Geradeauslauf bei Höchstgeschwindigkeit, die Reifenaußenseite für maximale Seitenführung und Grip in den Kurven. (APA/red)

3.10.2007 10:34