Mittwoch, 3. Oktober 2007

Österreicher werden immer gebrechlicher:
Altersfrakturen durch Osteoporose im Trend

  • Prävention und Vorsorge soll jetzt Abhilfe verschaffen
  • Gefahr: Nur 25 Prozent wissen von ihrer Erkrankung

Der Anstieg der Zahl von Knochenbrüchen im Alter, verursacht durch die Volkskrankheit Osteoporose, entwickelt sich dramatisch. Enorme Folgekosten sind zu erwarten, erklärten Experten der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie (ÖGU) anlässlich ihrer 43. Jahrestagung in Salzburg. Die demografische Entwicklung werde weitreichende Folgen für den Bereich der Unfallversorgung in Österreich haben, sagte ÖGU-Präsident Univ. Prof. Michael Blauth.

Neue Studien zeigen, dass es derzeit 600.000 bis 700.000 Betroffene gibt. Jede dritte Frau und jeder vierte Mann in Österreich erkrankt an Osteoporose. Die Entwicklung der Bevölkerungspyramide - die Zahl der 80-Jährigen wird sich in den kommenden 40 Jahren verdreifachen, 2050 wird jeder Dritte über 60 Jahre alt sein - sorgt für einen dramatischen Anstieg von Osteoporose-Kranken bis 2050.

Prävention ist besonders wichtig
"Das Ansteigen der Altersfrakturen ist ein ernstzunehmender Trend. Die Österreicherinnen und Österreicher werden immer älter und damit gebrechlicher. Diese Patienten sollten daher von Unfall-Spezialisten behandelt werden, die auf diese Einsätze bestens vorbereitet sind", forderte Blauth. Wichtig sei eine strenge Qualitätskontrolle bei den Behandlungen. Besonderes Augenmerk sei auf die Prävention zu legen. Spezielles Training für alte Menschen könne zur Erhaltung und Verbesserung der Balance, Kraft und Gehfähigkeit führen. Dadurch werde die Häufigkeit von Stürzen mit komplizierten Brüchen verringert.

Nur 25 % wissen von ihrer Erkrankung
"Das Eigenartige ist, dass die Osteoporose von Patienten, aber auch Ärzten nach wie vor völlig unterschätzt wird", meinte Blauth. Nur 15 Prozent der Frauen und zehn Prozent der Männer in Österreich glauben, das Osteoporose für sie ein Problem werden könnte. Viele halten Osteoporose für eine unvermeidbare Alterserscheinung. "Fakt ist, dass jeder dritte Österreicher an Osteoporose erkrankt, aber nur 25 Prozent der Betroffenen von ihrer Erkrankung wissen und nur 20 Prozent rechtzeitig und richtig behandelt werden."

Patienten werden oft falsch weiterverwiesen
Es sei wichtig, dass die künftigen Fachärzte für Allgemeinmedizin über eine ausreichende Ausbildung in der Unfallmedizin verfügten, erklärte Univ. Prof. Richard Kdolsky. "Wir halten es für sinnvoll, dass die Allgemeinmediziner in Ausbildung sechs Monate an einer unfallchirurgischen Abteilung verbringen und dieses Fach nicht, wie zur Zeit im Gespräch, völlig auslassen können." Immerhin stünden etwa 50 Prozent der Krankschreibungen im Zusammenhang mit einem Unfall, so ÖGU-Generalsekretär Kdolsky. Das betreffe also ganz wesentlich die Allgemeinmediziner. Es müsse auch dafür gesorgt werden, dass die Patienten an die richtige Stelle kommen. "Wir sehen in der Praxis oft, dass Patienten mit osteoporotischen Brüchen oder mit Gehirnerschütterungen nach Unfällen beispielsweise auf einer Abteilung für interne Medizin liegen. Dadurch ist die bestmögliche Versorgung für diese Patienten nicht gewährleistet", sagte Kdolsky. (APA/red)

3.10.2007 12:07