Mittwoch, 3. Oktober 2007

WOMAN: Tausche Karriere gegen Küche:
Journalistin erkundet Hausfrauen-Dasein

  • Stella Bettermann schrieb ein Buch über ihren Alltag
  • Wie die Karrierefrau zu einem Haushaltsprofi wurde

Was tun als berufstätige Mutter, wenn man wieder einmal den elfjährigen Sohn in allerletzter Sekunde auf den Schulweg schickt?Anschließend die vierjährige Tochter unter Tränen der Kindergärtnerin übergibt? Und dann mit bereits zur Routine gewordenem schlechten Gewissen gerade noch rechtzeitig ins Morgen-Meeting sprintet? Stella Bettermann, 43 - damals erfolgreiche Ressortleiterin eines deutschen Magazins -, glaubte es zu wissen: Sie kündigte. Beendete innerhalb von Minuten, was sie sich 17 Jahre lang aufgebaut hatte. Um als Hausfrau und Mutter zu leben …

In "Mama ante portas. Mein Jahr als Hausfrau - ein Selbstversuch" (Marion v. Schröder Verlag) schildert die Neo-Hausfrau ihre ersten Annäherungsversuche ans verhasste Bügeln und den nunmehr täglichen Kampf gegen Staub und Schmutz.

WOMAN zeigt, zu welchem Ergebnis die Journalistin gekommen ist, und bringt die amüsantesten Passagen aus dem Buch: "Nun mache ich mich dran, es überall richtig nett und schön zu machen (…) schließlich bin ich jetzt Hausfrau (…) Es ist jedoch, als würde eine versteckte Schmutzmaschine Flusen und Schmierspuren verteilen, sobald ich den Staubsauger abgeschaltet und das Wischwasser ausgeschüttet habe."

Aller Anfang
Frustrierende und dilettantische Putzaktionen - so versucht die toughe Exredakteurin vergeblich, die Badewanne mit Scheuermilch glänzend zu polieren - werden durch beglückende Nachmittage am Spielplatz mit ihrer Tochter wettgemacht. Mit dem Sohn liefert sie sich nach regelmäßiger Hausaufgabenkontrolle endlich wieder spannende Federball-Duelle. Und "weil ich zum Putzen und Kinderhüten morgens nicht derart fit sein muss wie zum Artikelschreiben (…) gehe ich erst viel später ins Bett".

Gewöhnungsphase
Die einst ranke Business-Lady genießt ihr Leben trotz anwachsenden Hausfrauenspecks. "Im Büro war zum Essen oft keine Zeit (…) wenn ich nun mit der Küche durch bin, habe ich mir ein paar Kekse als Belohnung verdient (…) auf dem Weg zum Kindergarten kaufe ich meiner Tochter ein Brezel und mir auch - wohlweislich stell ich mich gar nicht auf die Waage!"

Explosionsgefahr
Doch dann registriert die frühere Working Mum, dass sie jetzt, wo sie zuhause ist, auf die Kinder gereizter reagiert als zu Zeiten ihres 60-Stunden-Jobs. "Ich flippte nie aus (…) die Momente mit den Kindern waren die Highlights in meinem Alltag, und ich beging sie mit Engelsgeduld." Als Vollzeitmutter ist die einstige Gelassenheit jedoch dahin: "Je häufiger dieses 'Mama-Mantra' erschallt, umso kürzer wird meine Zündschnur (…) ich kann die Kinder gar nicht richtig genießen (…) und endlich kapiere ich die harte Realität des Hausfrauen-Daseins: Putzen kann Frust auslösen, weil es kein Erfolgserlebnis gibt, sondern immer nur neuen Dreck!"

Zurück an den Laptop
Als der Ehemann das neue Ordnungsprinzip nicht bemerkt und die liebende Gattin ihn darauf aufmerksam macht, spricht er aus, was längst offensichtlich ist. "Du hast wohl zu viel Zeit." Stella Bettermann stimmt zögernd zu: "Es ist nicht so, dass ich mich langweilen würde, manchmal ist sogar zu viel zu tun (…) es ist nur so, dass ich noch Kapazitäten frei hätte." Fazit: Nach einem erfahrungs-reichen Jahr beschließt Bettermann, künftig nicht mehr nur hinter Herd und Bügelbrett, sondern auch wieder am Computer zu arbeiten - als freie Journalistin, von zuhause. Und: Sie engagiert wieder eine Putzhilfe.

Den vollständigen Artikel finden Sie im aktuellen WOMAN!

Stella Bettermann
Mama ante portas
Mein Jahr als Hausfrau - ein Selbstversuch
€ 17,40
Marion v. Schröder Verlag
www.ullsteinbuchverlage.de/mvs

3.10.2007 12:11