"Schuldemokratie außer Kraft gesetzt": Lehrer beklagen sich über Schmieds Pläne
- Viele Lehrer fürchten einen "Run" auf Privatschulen
- Pädagogen beklagen "die vielen Lücken" im Entwurf
Mangelnde Information, fehlende Einbeziehung der Betroffenen und ein Ende des Gymnasiums - so lauten die Befürchtungen von Lehrern und Elternvertretern in Sachen "Neue Mittelschule". Im Vorfeld einer Informations-Versammlung der Lehrer im Landstraßer Gymnasium in Wien, wo der Unterricht deshalb bereits knapp vor 12.00 Uhr endete, zeigten sich viele Pädagogen aufgebracht über den von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) vorgelegten Gesetzesentwurf.
"Der Text schaut schlimmer aus als in den Medien dargestellt wird", meinte etwa Josef Grießl, Lehrervertreter im Schulgemeinschaftsausschuss, gegenüber der APA. "Was uns besonders im Magen liegt ist, dass die Schuldemokratie außer Kraft gesetzt wird." Er frage sich, welche Angst in den Reihen der Verantwortlichen herrschen müsse, wenn man die Betroffenen vor Ort nicht wie etwa bei Schulversuchen einbinden wolle. Man wehre sich nicht gegen Versuche an sich, diese müssten aber unter Einbindung der Schulpartner stattfinden und Vergleichsschulen mit den gleichen Mitteln ausgestattet werden.
Unterstützt wird der Protest der Lehrer von der Elternvereinsvorsitzenden der Schule, Angelika Kovacsevich. Diese hätten "guten Grund, den Entwurf sehr genau zu hinterfragen". Sie befürchtet ein "Zu-Grabe-Tragen der AHS-Unterstufe". Man wisse etwa nicht, ob Schüler einer "Neuen Mittelschule" einen Übertritt in eine AHS-Oberstufe schaffen könnten. Sie glaubt, dass eine gemeinsame Schule vor allem zu einem Run auf Privatschulen führen würde und eine Klassengesellschaft zur Folge habe. Dies könne nicht Wunsch der "sozialistischen Ideologie" sein.
Andere Pädagogen beklagen die "vielen Lücken" im Gesetzesentwurf. Dieser sei nur ein "formales Gerüst ohne Inhalte", betonte etwa die Lehrerin Dorothea Primmer. "Wir befürchten, dass in den Modellregionen keine Gymnasien existieren werden." Im Entwurf werde die Größe dieser Regionen nämlich nicht beschränkt.
(apa/red)

