FORMAT - Die Strabag baut am Börsegang:
Skepsis und Euphorie vor dem Ersteinschlag
- Deutsche Bank prognostiziert sprudelnde Gewinne
- PLUS: Der Strabag-CEO Peter Haselsteiner im Porträt
·Peter Haselsteiner im FORMAT-Porträt
Kunstmäzen und Liberaler
aus Überzeugung heraus
·Zu Gast beim Super- russen Oleg Deripaska
NEWS: Exklusiv-Interview
mit dem Multimilliardär
·Strabag: Börsegang steht nun offiziell fest
Zeichnungsfrist beginnt bereits am 8. Oktober
·EU-Ja zu Deripaska-
Einstieg bei Strabag
Brüssel meldet keine Wettbewerbsbedenken an

Viel Freude bereitet Hans Peter Haselsteiner der unmittelbar bevorstehende Börsegang der Strabag offensichtlich nicht. Da kann er coram publico noch so bemüht versichern, dass die Börse wunderbar sei und für die Zukunft seines Unternehmens große Möglichkeiten biete. Tatsächlich ist der 63-jährige Unternehmer in den Tagen vor dem IPO (Initial Public Offering, erstmaliger öffentlicher Aktienhandel) vor allem eines - gereizt. Kurze, heftige Wutausbrüche vor versammelter Mannschaft stünden auf der Agenda, heißt es.
Mal sollen Haselsteiner Gerüchte über einen angeblichen Streit mit Strabag-Miteigentümer Oleg Deripaska nerven, mal die hohen Erwartungen seitens potenzieller Investoren. Zudem echauffiert sich der Vorstandsvorsitzende von Österreichs größtem Bauunternehmen bereits jetzt über jene Aktionäre, die, wie er meint, "ungewaschen zu den Hauptversammlungen erscheinen, nur eine Aktie halten und den Vorstand mit sinnlosen Fragen quälen". Dass Haselsteiner in Anbetracht seiner Börseskepsis Teile des Anlegerschutzes als "wirklich deppert" bezeichnet, kommt da wenig überraschend.
Will der gebürtige Tiroler seine lang gehegten Wachstumsfantasien realisieren, bleibt ihm aber nichts anderes übrig, als einen Börsepakt einzugehen. "Ab einer gewissen Größenordnung ist man eben gezwungen, irgendeine Börse als Partner zu akzeptieren, wenn wir die Eigenkapitalfrage lösen wollen. Ich bin leider nicht reich genug, habe im Keller keinen Geldscheißer", sagt Haselsteiner nüchtern. Weshalb er die Strabag nach wiederholtem Anlauf nun doch an die Börse bringt.
Der Börsegang soll der Strabag 1,3 Milliarden Euro bringen
Damit wäre es der größte in der Geschichte des österreichischen Kapitalmarkts. Die Aktienstückzahl wird demnach von 95 auf 110 Millionen aufgestockt, Haselsteiner rechnet mit einer dreifachen Überzeichnung des Offerts. Laut Börseprospekt hält der gelernte Steuerberater aktuell 33,4 Prozent die Raiffeisen-Gruppe 36,3 und der russische Oligarch Oleg Deripaska 30 Prozent an der Strabag. 0,3 Prozent der Anteilsscheine befinden sich im Besitz einer "externen Privatstiftung". Mit dem IPO trennen sich Haselsteiner, Raiffeisen und Deripaska von insgesamt zwölf Millionen Aktien und halten danach je 25 Prozent plus eine Aktie (siehe Grafik unten). Daran verdient Raiffeisen freilich am meisten, nämlich an die 500 Millionen Euro.
Wie FORMAT in gut informierten Kreisen recherchierte, hat Russlands zweitreichster Mann Oleg Deripaska beim Kauf seiner Anteile durchschnittlich 44,5 Euro je Aktie bezahlt. Ein Wert, der das untere Ende des Preisbands darstellt, die Obergrenze soll bei knapp über fünfzig Euro liegen. Der Ausgabepreis dürfte sich auf fast 47 Euro belaufen. Wolfgang Matejka, Investmentchef der Meinl Bank, scheint der angepeilte Emissionskurs überzogen. Er rät Anlegern "zu limitierten Käufen und vor allem zu schnellen Wiederverkäufen, da langfristig betrachtet mit einem Rückgang des Aktienwerts leicht unter dem Ausgabepreis zu rechnen" sei. Grund dafür ist etwa die "abflauende erste Euphorie nach dem Börsegang".
Laut einem Insider ist der Börsegang mit dem 19. Oktober aber keineswegs abgeschlossen. 2009, spätestens 2010, wollen Haselsteiner, Raiffeisen und Deripaska bei einem Secondary Public Offering (SPO) ihre Anteile auf je 17 Prozent reduzieren, womit ihnen mit insgesamt 51 Prozent die Mehrheit am Unternehmen bleibt. Nach einer vereinbarten Behaltefrist von drei Jahren soll Haselsteiner gar beabsichtigen, seine Anteile zur Gänze an Deripaska zu verkaufen. "Vereinbart wurde lediglich, dass Haselsteiner mindestens drei Jahre als CEO bleibt. Von Verkauf kann mit Sicherheit keine Rede sein", sagt Strabag-Sprecher Christian Ebner.
2006 setzte die in Villach ansässige Strabag SE mit 56.800 Mitarbeitern in mehr als dreißig Ländern 10,4 Milliarden Euro um. Für heuer werden gar elf Milliarden erwartet. Damit ist die Strabag nach der OMV (18,97 Milliarden) und der Porsche Holding (11,5 Milliarden) Österreichs umsatzstärkstes Unternehmen. Laut Deutscher Bank dürfte der Bauriese per Jahresende einen Gewinn von 315 Millionen Euro erzielen, die Erste Bank geht von 266,4 Millionen aus (siehe Grafik S. 16). Die Strabag erwirtschaftet mittlerweile 38 Prozent ihres Umsatzes in Deutschland, 30 Prozent in Osteuropa, 18 Prozent in Österreich, der Rest entfällt auf den Nahen und Mittleren Osten. In 10 bis 15 Jahren soll Haselsteiners Firma zu Europas Nummer eins in der Baubranche aufsteigen, was aber wohl nicht mehr in die Ära des Tirolers fallen dürfte. Ob sein ambitioniertes Vorhaben, zum europäischen Branchenprimus aufzusteigen, je aufgehen wird? Bauanalysten schweigen. Weder Erste Bank, Raiffeisen, Deutsche Bank, Goldman Sachs noch Dresdner Bank beziehen dazu Stellung. Der Grund: Sie alle sind am Börsegang beteiligt und haben absolutes Redeverbot. "Sie werden in dieser Sache auf Granit beißen", sagt schließlich ein deutscher Analyst trocken, "das Bankenkonsortium, das die Strabag an die Börse bringt, ist dermaßen groß, dass Ihnen kaum jemand eine Antwort - und schon gar keine ehrliche - geben wird." Er selbst sei da eine Ausnahme.
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