Freitag, 5. Oktober 2007

Hamilton kommt nach Anhörung mit blauem
Auge davon: Keine Strafe wegen Fuji-Vorfall

  • Webber wurde angeblich durch sein Manöver irritiert
  • Freispruch ebnet Lewis Hamilton Weg zum WM-Titel

Freie Fahrt für Lewis Hamilton: Nach einem eindeutigen Freispruch in der "Brems-Affäre" steht dem Angriff des britischen Formel-1-Piloten auf den WM-Thron nichts im Wege. Zwei Tage vor dem China-GP entschied die dreiköpfige Kommission des Internationalen Automobilverbandes FIA, den McLaren-Mercedes-Mann nach seinem umstrittenen Fahr-Manöver beim chaotischen Regenrennen in Japan nicht zu belangen.

"Ich bin sehr glücklich und überaus erleichtert. Das war ein harter Tag, aber jetzt kann ich gut schlafen", sagte Hamilton. Bereits vor einer einstündigen Anhörung hatte er seine Unschuld beteuert: "Ich habe niemanden in Gefahr gebracht." Auch der Deutsche Sebastian Vettel war zufrieden, die Strafe für seinen Auffahrunfall mit den Australier Mark Webber (Red Bull) gleich nach Hamiltons Manöver in einer Safety-Car-Phase wurde auf eine Rüge reduziert.

Der Toro-Rosso-Fahrer wird nun also doch nicht in der Startaufstellung für das Rennen in Shanghai automatisch um zehn Plätze zurückversetzt. Auch in Bezug auf Hamilton wurde vom Gremium entschieden, dass angesichts der außergewöhnlichen Witterung eine Strafe, die normal bei einem solchen Vorfall ausgesprochen werde, nicht angemessen sei.

Kein Regelbruch
Ähnliches hätte wohl auch Hamilton gedroht, wenn das Gremium einen Verstoß gegen die Verkehrsregeln bei der Safety-Car-Phase während des Grand Prix von Japan festgestellt hätte. Doch auch nach Auswertung sowohl der Original-Aufnahmen als auch des im Internet bei "youTube" aufgetauchten Fan-Videos konnte keinerlei Regelbruch festgestellt werden.

WM-Sieg so nah?
Damit behält Hamilton seine 107 WM-Punkte und kann mit einem Sieg in Shanghai seinen packende Premierensaison mit dem vorzeitigen Titelgewinn krönen: Mit 22 Jahren und 9 Monaten wäre er der jüngste Champion aller Zeiten. "Jetzt bin ich entspannt und kann das Wochenende genießen", betonte Hamilton. Er hat zwölf Punkte Vorsprung auf Titelverteidiger Fernando Alonso und 17 auf Kimi Räikkönen im Ferrari.

Harte Kritik
Dabei hatte Hamilton vor der Verhandlung noch Schlimmes befürchtet, zumal einige Fahrer ihn hart kritisiert hatten. Darunter vor allem Mark Webber, der dem Engländer eine Mitschuld an seinem Unfall mit Vettel gegeben hatte. Auch BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld hielt eine Strafe für angemessen. "Er hat einen Fehler gemacht."

Der rasende Neuling Hamilton, der hinter den nur unzureichend abgedunkelten Scheiben des Verhandlungsraums auch unter Beobachtung von vielen Journalisten, Fotografen und Fernseh-Teams stand, sah dies anders. "Ich muss den Abstand zum Safety Car wahren und die Fahrer hinter mir zu meinem Wagen", sagte Hamilton. Es sei nicht sein Job, sich um Piloten hinter ihm zu kümmern.

Zudem habe er das erste Mal bei einem Regenrennen die Führung inne gehabt und seine Sache gut gemacht, so Hamilton, wenn auch vielleicht nicht am besten. Dass das unter dem Titel "Viel Lärm um Nichts" abzuhakende Kapitel auch an dem Briten nicht spurlos vorbeiging, wurde auch beim Training klar. In beiden Sessionen belegte er Rang vier. Schnellster war Räikkönen vor Alonso und dem Brasilianer Massa.

Für Alonso ist die Titelverteidigung durch den Freispruch seines Stallrivalen weiter ein Rechenspiel geblieben. In Shanghai könnten seine Felle endgültig schon davonschwimmen. Die Niederschlagswahrscheinlichkeit liegt bei 70 bis 90 Prozent. Wie zuletzt in Japan. Der Sieger hieß dort Hamilton.



(apa/red)

5.10.2007 17:05
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