Freitag, 5. Oktober 2007

Familienmitglieder von Pinochet in Haft:
Gesamter Klan unter Korruptionsverdacht

  • Korruption und illegale Bereicherung zur Last gelegt
  • Sollen 27 Mio. USD an Staatsgeldern kassiert haben

Die Witwe und fünf Kinder des früheren Diktators Augusto Pinochet sind in Chile wegen Korruptionsverdachts verhaftet worden. Ein Richter erließ in Santiago de Chile auch Haftbefehle gegen weitere 17 Familienangehörige und Mitarbeiter des im Dezember 2006 im Alter von 91 Jahren gestorbenen Pinochet. Nur vier der Angeklagten wurden noch nicht gefunden und sind deshalb auf freiem Fuß.

Allen Angeklagten werde Korruption und illegale Bereicherung zur Last gelegt, hieß es. In der Anklage geht es um die sogenannte "Riggs -Affäre". Pinochet, seine Angehörigen und engste Mitarbeiter sollen von der Veruntreuung von Staatsgeldern in der Höhe von 27 Millionen US-Dollar (heute 19,1 Mio. Euro) profitiert haben, die auf geheimen Konten der US-Bank Riggs und anderer Institutionen deponiert waren.

Nach Angaben von Polizeisprechern leistete keiner der Verhafteten Widerstand. Einige hätten sich nach Bekanntgabe der Haftbefehle sogar freiwillig gestellt, darunter auch Pinochet-Witwe Lucia Hiriart. Die Regierung in Santiago teilte unterdessen mit, es werde für die Verhafteten keine Sonderbehandlung oder spezielle Maßnahmen geben. "Wir Chilenen sind vor dem Gesetz alle gleich", betonte Justizminister Carlos Maldonado. Anwälte der Pinochet-Familie meinten, man werde eine Annullierung der Haftbefehle erreichen.

General Pinochet regierte das Andenland nach einem Putsch gegen den damaligen sozialistischen Präsidenten Salvador Allende zwischen 1973 und 1990 mit eiserner Hand. Nach Schätzung von Menschenrechtsgruppen wurden während seiner Militärherrschaft rund 3.000 Regimegegner ermordet.

(apa/red)

5.10.2007 07:51