Dienstag, 2. Oktober 2007

Bombenalarm in Wien: Versuchter Anschlag auf US-Botschaft mit Sprengstoff-Rucksack!

  • Verdächtiger von Sicherheitskräften festgenommen
  • Mann ließ Tasche mit Sprengstoff und Nägeln fallen

Ein Mann aus Niederösterreich hat offenbar einen Anschlag auf die US-Botschaft in Wien geplant. Der 42-Jährige bosnischer Abstammung wollte mit einer Rucksack-"Bombe" in das Gebäude in der Boltzmanngasse im Bezirk Alsergrund. Die Sicherheitsschleuse am Eingang schlug jedoch Alarm. Der Verdächtige versuchte zu flüchten und ließ den Sprengstoff in der nahe gelegenen Pfluggasse fallen. Dabei wurde er festgenommen. Zu einer Explosion kam es zum Glück nicht, verletzt wurde niemand.

Zwei Handgranaten oder ähnliche Gegenstände und Sprengstoff wurden in dem Rucksack sichergestellt, sagte Doris Edelbacher, Sprecherin des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT). "Der Rucksack war weiters mit Nägeln gefüllt." Eine Explosion hätte also eine enorme Streukraft erzeugt. "Die Handgranaten sind brandgefährlich, das würde schlimm aussehen", meinten auch Polizisten in der Pfluggasse. Die etwa 100 Nägel und Schrauben in dem Rucksack, hätten Menschen bei einer Detonation "durchlöchert".

Auswirkungen der Bombe noch unbekannt
Ob die "Bombe" überhaupt sprengfähig gewesen wäre, muss noch festgestellt werden. Alle dafür notwendigen Teile sollen sich allerdings im Rucksack befunden haben, hieß es in Polizeikreisen. Die Straßenzüge rund um die Botschaft wurden bis in die Abendstunden großräumig abgeriegelt. Der verdächtige Rucksack wurde mit einem Wassergewehr aufgeschossen und zum Teil gesprengt.

Die Befragung des Verdächtigen sei im Gange, so Edelbacher. Verwertbare Aussagen gibt es bisher aber nicht. Er mache "verwirrte Angaben" und spreche nur gebrochen deutsch. In dem Rucksack habe sich auch ein Buch befunden, in dem "irgendwo" das Wort Islam vorkomme, so die Sprecherin. Ein möglicher islamistischer Hintergrund lasse sich allein deshalb derzeit aber nicht belegen.

Bei der Sicherheits-Überprüfung des Rucksackes zeigte der Bildschirm einen möglichen Sprengkörper an, so die US-Botschaft in einer Aussendung. Nachdem dem Mann der Zugang verwehrt wurde, sei er geflüchtet. Das Sicherheitspersonal verständigte daraufhin die Polizei, die den Mann noch um die Ecke festnehmen konnte: Der 42-Jährige wollte zunächst ein Versteck in der Nußdorfer Straße suchen, drehte dann allerdings um und lief der Polizei genau in die Arme. Vor ihren Augen soll er den Rucksack - hieß es in Ermittlerkreisen - auf die Straße geworfen haben.

"Das ist der Djihad in Wien"
Für Behinderungen sorgte der Großeinsatz von Exekutive, Feuerwehr und Rettung auch im Öffentlichen Verkehr. Die Straßenbahnlinien 5 und 33 sowie die Busse der Linie 40A mussten kurzfristig umgeleitet werden. "Das ist der Djihad (Heilige Krieg Anm.) in Wien", lautete der trockene Kommentar eines Passanten in der Pfluggasse. "Gut, dass niemand verletzt worden ist, aber bei uns geht es schon ziemlich zu", erklärte eine erleichterte Anrainerin.

Zu Wort meldeten sich auch das Islamische Informations- und Dokumentationszentrum Österreich: Man verurteile den versuchten Terroranschlag auf das schärfste, so Generalsekretär Günther Ahmed Rusznak. Es lehne jeglichen islamischen Fundamentalismus und Radikalismus ab. Jedes verdächtige Verhalten sei den Sicherheitsbehörden sofort zu melden. (apa/red)

2.10.2007 08:48