Freitag, 5. Oktober 2007

ÖVP stellt sich klar gegen Gesamtschule:
Bleibt weiterhin ein Schreckensszenario

  • Schüssel über "Hindreschen" auf die Lehrer bestürzt
  • "Rückfall in längst gescheiterte Bildungsexperimente"

Die ÖVP hat sich bei ihrer Klubklausur in St. Wolfgang ein weiteres Mal auf ihr Nein zur Gesamtschule eingeschworen. Bei einer Podiumsdiskussion durfte ein Vertreter des hessischen Kultusministeriums ran, die Schrecken der gemeinsamen Schule in seinem Bundesland zu verkünden. Volle Übereinstimmung gab es von der obersten AHS-Gewerkschafterin Eva Scholik, Bildungssprecher Fritz Neugebauer und letztlich auch von der nicht amtsführenden Wiener Stadträtin Katharina Cortolezis-Schlager.

Ein klares Nein deponierte die Volkspartei zum Begutachtungsentwurf von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) in Sachen Erprobung der "Neuen Mittelschule". In dem Papier stehe "Ungeheuerliches", tönte Neugebauer und erregte sich darüber, dass über die Betroffenen drübergefahren werde. Überhaupt gebe es seiner Ansicht nach andere Arbeit zu leisten, als neue Schulversuche zu initiieren, lägen doch genug am Minoritenplatz (Ort des Unterrichtsministeriums, Anm.) vergraben.

Cortolezis-Schlager, von der die VP-Bildungsperspektivengruppe geleitet worden war, sieht gleich zu viele Schulgesetze in der derzeitigen Rechtsordnung: "Wir brauchen nicht zusätzliche Gesetze, sondern weniger Gesetze."

Begutachtungsentwurf soll verhindert werden
Beruhigt haben dürften die VP-Bildungspolitiker damit Scholik. Denn die AHS-Gewerkschafterin zeigte sich bestürzt, dass mit einer Änderung des Schulorganisationsgesetzes, wie sie Schmied plane, die Lehrer in ihrer Mitsprache ausgehebelt würden. Deshalb appellierte sie an die Volkspartei, eine Umsetzung des Begutachtungsentwurfes zu verhindern.

Klubchef Wolfgang Schüssel zeigte volles Verständnis für die Sorgen der Lehrer. Diese würden von Schmied und dem Leiter ihrer Experten-Kommission (Schüssel-Parteifreund Bernd Schilcher, Anm.) in "erstaunlicher Art und Weise" abqualifiziert. Anstatt die Pädagogen einzubinden und zu motivieren, werde auf sie "hingedroschen", zeigte sich Schüssel bestürzt. Einen einzigen Schultyp lehnte der Klubchef deutlich ab.

Ein Hesse als Berichterstatter
Um aufzuzeigen, wie sich sozialdemokratische Bildungspolitik praktisch auswirke, hat der Klubchef einen Vertreter des hessischen Kultusministeriums eingeladen. Dieser, Alexander Jehn, warnte dann auch wunschgemäß vor einem "Rückfall in längst gescheiterte Bildungsexperimente" und führte anhand von Statistiken aus, dass Kinder in Gesamtschul-Modellen bei den Rankings deutlich schlechter abschnitten als jene aus anderen Schultypen. Das österreichische Bildungssystem pries er im Vergleich zu jenem in Hessen und plädierte für mehr Gelassenheit, auch wenn das nächste Pisa-Ranking nicht so gut ausfalle.

(apa/red)

5.10.2007 11:02