Dienstag, 2. Oktober 2007

Buchtipp: "Wiener Blut" von Frank Tallis

  • Historischer Krimi um psychopatischem Mörder
  • Fundiertes Detailwissen gepaart mit vielen Klischees

1902: In Wien herrscht ein sibirischer Winter. Ein brutaler Serienmörder treibt sein Unwesen: Teuflische Verstümmelungen, eine Neigung zu geheimnisvollen Symbolen und eine scheinbar zufällige Auswahl der Opfer sind seine Markenzeichen. Inspektor Oskar Rheinhardt ist mit seinem Latein am Ende und ruft seinen Freund, den Psychoanalytiker Max Liebermann, zu Hilfe, der sich schon in seinem letzten Fall bewährte.

Der britische Autor Frank Tallis beweist im zweiten Teil der Liebermann-Serie wieder außerordentliche historische Fachkenntnis über das Wien der Jahrhundertwende. Atmosphärisch schildert er die Stimmung und den Alltag im vielzitierten Schmelztiegel der Nationen und einer massiven fremdenfeindlichen Grundstimmung.

Der Plot hingegen wirkt über weite Strecken banal blutrünstig, wird aber mit dem Verlauf der Geschichte etwas subtiler. Der Spannungsbogen wird vorbildlich aufgebaut und einige Überraschungen hat Tallis für seine Leser auch noch im Talon.

Das detektivische Gespür des Haupt-Protagonisten Liebermann ist oft etwas weit hergeholt, aber durch seine psychoanalytischen Fähigkeiten immer gut begründet. Alles in allem eine sehr empfehlenswerte Zeitreise in die Wiener Unterwelt mit viel Geheimbündelei und einer dunklen Vorahnung auf beginnende Rassenunruhen. (red)

Frank Tallis
Wiener Blut
Max Liebermanns zweiter Fall
Paperback, 544 Seiten
€ 12,40

www.randomhouse.de/btb/

2.10.2007 18:16