Freitag, 28. September 2007

Lufthansa gibt nun Condor-Fluglinie frei:
Air Berlin somit kurz vor der Übernahme

  • Verzicht aus strategischen & wirtschaftlichen Gründen
  • Transaktion muss vom Kartellamt gebilligt werden

Air Berlin, die 24 Prozent an Niki Laudas "Niki" hält, hat die erste Hürde auf dem Weg zur Übernahme der Ferienfluggesellschaft Condor genommen. "Lufthansa wird das Vorkaufsrecht für Condor nicht ausüben", sagte ein Lufthansa-Sprecher itag in Frankfurt. Allerdings behält sie Branchenkreisen zufolge das Recht an dem bekannten Namen "Condor". Auch einen vorzeitigen Verkauf des Minderheitsanteils von 24,9 Prozent vor 2010 lehnt Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber ab.

Es bleibe bei den vertraglichen Vereinbarungen mit dem Reisekonzern Thomas Cook und dessen Mehrheitseigner Arcandor zu Condor, sagte der Sprecher. Zum Namensrecht wollte er sich nicht äußern. Die von Thomas Cook gehaltenen 75,1 Prozent werden damit im Februar 2009 frei, die bei Lufthansa liegenden 24,9 Prozent ein Jahr später.

Lufthansa begründete den Verzicht auf Condor mit "strategischen und wirtschaftlichen Erwägungen". Mit dem Verkauf der Beteiligung am Reisekonzern Thomas Cook Anfang des Jahres an Arcandor hatte das Unternehmen sich aus der Touristik und damit - bis auf den Minderheitsanteil - auch aus der einstigen Ferienflugtochter Condor zurückgezogen. Damals wurden bereits die Modalitäten für einen möglichen Weiterverkauf der Condor vereinbart. Dabei sei auch der Verbleib der Namensrechte bei Lufthansa abgesprochen wordem, verlautete aus den Kreisen.

Air Berlin zeigte sich mit der Entscheidung der Lufthansa zufrieden. "Dies entspricht unseren Erwartungen", sagte ein Sprecher. Nun sei genügend Zeit, zunächst die im Frühjahr erworbene LTU zu integrieren und sich danach Condor zu widmen. Die Aktie von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft legte um vier Prozent auf 11,75 Euro zu.

Air Berlin steht aber noch vor einer weiteren hohen Hürde: Die Transaktion muss vom deutschen Kartellamt gebilligt werden. Nach den bereits unmittelbar nach der Bekanntgabe der Pläne vor einer Woche geäußerten Bedenken der Behörde rechnen Branchenexperten mit erheblichen Auflagen. Auch Air Berlin selbst geht von einer intensiven Prüfung aus. "Wir werden nach der Lufthansa-Entscheidung jetzt in Kürze beim Kartellamt die Unterlagen einreichen. Wir rechnen dann mit einem mehrmonatigen Verfahren", sagte der Sprecher.

Air Berlin würde nach drei Übernahmen (dba, LTU, Condor) ab 2010 mit weit mehr als 30 Millionen Passagieren in Deutschland näher an den Marktführer Lufthansa heranrücken, der pro Jahr gut 50 Millionen Fluggäste zählt. Mit LTU und Condor hat Air Berlin nun Langstreckenverbindungen und entsprechende Maschinen. Lufthansa erhält für das Viertel an Condor auf Grund der zum Jahreswechsel geschlossenen Vereinbarung 77 Mio. Euro. An Thomas Cook zahlt Air Berlin für die gesamte Fluggesellschaft dagegen umgerechnet bis zu knapp 600 Mio. Euro.

Damit hat sich die Bewertung für den Ferienflieger binnen gut eines halben Jahres verdoppelt. Die Berliner wollen den Großteil des Preises allerdings mit einer Kapitalerhöhung in Form neuer Aktien an den Cook-Konzern bezahlen, der damit bis zu 29,99 Prozent an der Fluggesellschaft halten würde und größter Einzelaktionär wäre.

An den Namensrechten an Condor hat Air Berlin Branchenkreisen zufolge möglicherweise wenig Interesse. Dem Unternehmen sei es vor allem um die interessanten Start- und Landezeiten von Condor am größten deutschen Flughafen in Frankfurt und um die Maschinen gegangen. Eine zusätzliche Marke sei nicht das Ziel gewesen. Ob Lufthansa Condor als Marke wieder reaktivieren werde, sei völlig offen, hieß es in den Kreisen. (apa/red)

28.9.2007 17:22