Freitag, 28. September 2007

Hormonersatztherapie in Wechseljahren? Ärzte raten dazu bei akuten Beschwerden

  • Empfehlung von insgesamt sechs Fachverbänden
  • Bei der Dosierung gilt Devise: So wenig wie möglich!

Frauen mit akuten Wechselbeschwerden sollten nach dem Rat von Gynäkologen weiterhin mit einer Hormonersatztherapie (HRT) behandelt werden. In einer aktuellen Empfehlung von insgesamt sechs Fachverbänden heißt es, die Hormongabe sei bei frühen Östrogenmangelsymptomen wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen die Therapie der ersten Wahl. Keine andere habe sich als so wirksam erwiesen, teilte der Berufsverband der Frauenärzte mit.

Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft sei zu erwarten, dass bei Frauen, die keine speziellen Risikofaktoren und Vorerkrankungen aufwiesen, der Nutzen die Risiken überwiege, erklärten die Verbände. Die Behandlung solle aber bald nach Eintritt der Beschwerden beginnen, damit ein langjähriger Östrogenmangel vermieden werde. Bei einem Behandlungsbeginn unter 60 Jahren könne auch das Herzinfarktrisiko gesenkt werden.

Ältere Frauen oder diejenigen mit Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems hätten allerdings ein erhöhtes Schlaganfall- und Thromboserisiko, wenn die erstmalige Behandlung nach dem 65. Lebensjahr stattfindet. In diesen Fällen solle die HRT nur in Ausnahmefällen und unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung angewandt werden, heißt es in der Empfehlung.

Unter Langzeittherapie sei auch ein gering erhöhtes Risiko für Brustkrebs nicht auszuschließen. Bei einer Kombination aus Gestagen und Östrogen sei über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren ein gering erhöhtes Risiko nachgewiesen. Es gebe aber Hinweise, dass eine Kombinationstherapie das Risiko von Darmkrebs senke. Ob die HRT Alzheimer vorbeugt, sei nicht nicht geklärt.

Neben Hitzewallungen und Schweißausbrüchen können auch andere Symptome behandelt werden, darunter Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Leistungs- und Gedächtnisverminderung, Knochen- und Gelenksymptome, Sehprobleme und Haarausfall. Zudem wird die HRT zur Verhinderung von Osteoporose eingesetzt.

Dosierung
Bei der Dosierung solle die Devise gelten: So wenig wie nötig, so kurz wie möglich. Die Mediziner könnten aus einer Vielzahl an Präparaten auswählen und so die individuelle Veranlagung der Patientinnen berücksichtigen. Die Entscheidung zur Behandlung solle nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Analyse getroffen werden. Der Therapieerfolg solle mindestens jährlich überprüft werden.

Die Empfehlung ausgegeben haben die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), der Berufsverband der Frauenärzte (BVF), die Deutsche Menopausegesellschaft (DMG), die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF), der Dachverband für Reproduktionsbiologie und -medizin (DVR) und die Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS). Bereits vergangenes Jahr hatten die Verbände erklärt, im Gegensatz zu früheren Studien deute nun alles darauf hin, dass bei rechtzeitigem Beginn einer HRT der Nutzen die möglichen Risiken zumeist überwiege. Die Empfehlung soll weiterhin jährlich erneuert werden.

(apa)

28.9.2007 10:28