Donnerstag, 13. Dezember 2007

Neue Kolumne von Agenturleiter Wachta: Über das Boxenluder-Image mancher Missen

  • Wachta: Träume junger Mädchen werden missbraucht
  • Kunden canceln Aufträge wenn Models Missen werden

Der Inhaber einer Modelagentur, Dominik Wachta, beschäftigt sich für news.at mit allen Themen rund um Models, Laufstege, Magersucht usw. In seiner aktuellen Kolumne geht es um die schlechte Reputation mancher Miss-Wahlen.

Autoreifen, Benzingeruch, vielleicht sogar der eine oder andere gröhlende Mechaniker und mitten drin eine Misswahl. Das war doch schon mal der Fall? Aber manche werden es offenbar nie lernen. Abermals wird keine Miss Gummiüberzieher und auch keine Miss Keilriemen gesucht, nein, es ist wieder als Finale einer Misswahl geplant.

Wenn es nicht so traurig wär, müsste ich eigentlich herzlich darüber lachen. Aber meiner Meinung nach schadet dieses Boxenluder-Image solcher Veranstaltungen dem gesamten Modelbusiness. Hierzu fällt mir eigentlich nur ein Zitat von Oskar Wilde ein, der einst meinte: "Als ich klein war, glaubte ich, Geld sei das wichtigste im Leben. Heute, da ich alt bin, weiß ich: Es stimmt."

Es heißt, auf schon am Boden Liegende - und die meisten Misswahlen zähle ich dazu - solle man nicht mehr eintreten. Doch wenn sie auch in dieser gebückten Haltung nach wie vor einen immensen Schaden im österreichischen Modelbereich anrichten (Privatmeinung), dann fällt es einem schwer, das zu ignorieren. Fallbeispiel: Auch bei mir war einst ein Mädchen unter Vertrag, die später eine Misswahl gewann. Am Montag danach hat mich ein deutscher Reiseanbieter angerufen und die europaweite Kampagne mit besagtem Mädchen storniert, da er sein Produkt nicht von einer Miss vertreten lassen wolle: "Das Image der Misswahlen ist so schlecht, dass wir dadurch keinen Werbewert hätten." Leider nicht nur das Image, wie man als Insider weiß (ebenso Privatmeinung).

Das Schlimme ist nur, fast jeder weiß, dass einiges schief rennt, doch kaum jemand traut sich etwas dagegen zu tun. Auch deshalb halte ich mich an Mahatma Gandhi, der richtigerweise einst sagte: "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt."

Doch wieso schaffen es manche Misswahlen medial noch immer annehmbar dazustehen? Es gibt Einige, die kaufen sich einfach ein. Sie kaufen Artikel, sie kaufen Covers, sie kaufen Menschen. Und das Geld nehmen sie daher, weil sie zuvor Menschen verkaufen, sprich die Träume von jungen Mädchen schamlos ausnutzen und missbrauchen.

Als Mensch muss man dafür Verachtung empfinden. Verachtung z.B dafür, dass sich zahlreiche Missen für kostenlose Promotions abrackern müssen, während zumeist der Misswahlveranstalter im Hintergrund massig Geld scheffelt. Jede intelligente Lebensform würde jedoch aus Fehlern lernen und verstehen, dass dieses Image sie immer und immer wieder einholen wird. Offenbar aber wirklich nur eine intelligente Lebensform.

Dominik Wachta ist Inhaber der Model-Agentur "Jademodels International" und veranstaltet die bundesweite Modelsuche "Österreichs nächstes Topmodel".

13.12.2007 14:14