Freitag, 28. September 2007

Badelt für dauerhafte Uni-Zugangs-Lösung: Will genug Geld für Studienplatz-Ausbau

  • Fokus müsse außerdem auf Absolventenzahlen liegen
  • "Mehr forschen & die Ausstattung dafür verbessern"

Die geplante Verlängerung der Zugangsbeschränkungen für acht Studienrichtungen verbaut nach Ansicht des Präsidenten der Österreichischen Rektorenkonferenz (ÖRK), Christoph Badelt, nicht die von den Universitäten schon lange geforderte "grundsätzliche Regelung" des Hochschulzugangs. Für diese setzen die Uni-Chefs auf die geplante Novelle zum Universitätsgesetz (UG) 2002. "Dort muss eine langfristige und dauerhafte Lösung der Zugangsfrage erfolgen", sagte Badelt im Gespräch mit der APA.

Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) will die seit dem Studienjahr 2005/06 geltende Regelung über die Zugangsbeschränkungen in Humanmedizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Publizistik, Psychologie, Biologie, Pharmazie und Betriebswirtschaftslehre bis Ende 2009 verlängern. Das wird von den Rektoren begrüßt. Für Badelt macht es aber keinen Sinn, die Zugangsfrage alle zwei Jahre neu zu diskutieren. Zu bedenken gibt der Rektor der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien auch, dass diese Regelung keine Flexibilität bei den Zugangszahlen erlaube. So sei seine Uni schon seit Jahren überlaufen, "die Möglichkeit für Beschränkungen hat uns nur vor einer Lawine geschützt, für adäquate Studienbedingungen nützt diese Form nichts".

Badelt: Fokus müsse auf Absolventenzahlen liegen
"Betrüblich" ist für Badelt bei der Diskussion, dass der Fokus auf den Studentenzahlen liegt, während die Absolventenzahlen nicht beachtet würden. "In allen Fächern geht es nicht darum, wie viele Studenten es gibt, sondern dass wir die Drop-Out-Raten runter bringen. Die derzeitige Diskussion ist ein Wegschauen von den eigentlichen Problemen", sagte der ÖRK-Chef, der einen "signifikanten Zusammenhang zwischen Zugangsregelungen und Drop-Out-Zahlen" sieht. Zuletzt hatte die OECD in ihrer Studien "Bildung auf einem Blick" die hohen Drop-Out-Raten in Österreich von rund 35 Prozent kritisiert, an der WU liegen sie laut Badelt bei "weit über 50 Prozent".

Der Forderung von SP-Wissenschaftssprecher Josef Broukal, dass die Unis vorlegen müssten, wie viel eine Ausweitung der Studienplätze in den überlaufenen Fächern kosten würde, begegnet Badelt mit einem Vergleich: Würde beispielsweise die WU so bezahlt wie eine Fachhochschule, die pro Studienplatz finanziert wird, "würden wir etwa das 3,5-fache unseres derzeitigen Budgets erhalten". Aus diesem Grund spricht sich Badelt für "eine vernünftige Bewirtschaftung der Studienplätze" aus. Die Unis wollten dabei "einen Ausbau der Studienplätze bei entsprechender Finanzierung und keine Reduktion".

"Mehr forschen & die Ausstattung dafür verbessern"
Die Zugangsbeschränkungen hätten aber auch Auswirkungen auf andere Themen, welche die Unis im neuen Studienjahr beschäftigen werden. "Wir müssen mehr forschen und auch die Ausstattung dafür verbessern", betonte Badelt. So müssten die Kapazitäten für Doktorats-Kollegs erweitert werden, wo Dissertanten tatsächlich als Forscher beschäftigt sind. Und auch der Prozess der Profilbildung der einzelnen Unis müsse verstärkt werden. Zudem sei ein neues Gesamtbild des tertiären Sektors erforderlich, was eine verbesserte Abstimmung zwischen Universitäten, Fachhochschulen und Privat-Unis erfordere.

Die Ausdifferenzierung im tertiären Sektor der vergangenen Jahre sei positiv gewesen, "allerdings gibt es jetzt wieder die Tendenz, alles gleich zu machen", kritisierte Badelt unter Hinweis auf die "Abschaffung der differenzierten Titel (der Anhang "FH" an die akademischen Grade von Fachhochschul-Absolventen wurde gestrichen, Anm.), das ist von der Symbolik her paradox".

Beschäftigen müssen sich die Unis auch mit dem Karriereschema für Wissenschafter. So ist das UG 2002 am 1. Jänner 2008 seit vier Jahren in Kraft, und die ersten vierjährigen Verträge für Assistenten laufen aus. "Hier brauchen wir klare Karrierelösungen, wie immer der Kollektivvertrag aussieht", so Badelt. Im Herbst wollen die Unis ihre Berechnung über die zu erwartenden Mehrkosten des Kollektivvertrags vorlegen, den Unis und Gewerkschaft bereits ausgehandelt haben. "Dann gehe ich davon aus, dass mit uns über diese Kosten verhandelt wird", sagte der Rektorenchef. Die sommerliche Diskussion zu diesem Thema hält Badelt für eine "künstliche Aufregung". Er verstehe natürlich, dass der Finanzminister Zahlungen nicht blanko zusage. Andererseits könne er sich nicht vorstellen, "dass die Regierung vergessen hat, dass das noch zu verhandeln ist".

(apa/red)

28.9.2007 10:14