Montag, 24. September 2007

Kein Ende des Auswahl-Verfahrens: Hahn
will Uni-Zugangsbeschränkung verlängern

  • "Unabgesprochen": Kritik von Koalitionspartner SPÖ
  • Rektoren zeigen sich zufrieden - ÖH: "Verarschung"

Die Ende 2007 auslaufende Regelung über die Zugangsbeschränkungen in den acht Studienfächern Humanmedizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Publizistik, Psychologie, Biologie, Pharmazie und Betriebswirtschaftslehre soll nach dem Wunsch von Wissenschaftsminister Johannes Hahn bis Ende 2009 verlängert werden. Als Begründung für einen entsprechenden Gesetzesentwurf nannte Hahn einen sich abzeichnenden verstärkten Ansturm von deutschen Studienwerbern. SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal zeigte sich über den "unabgesprochenen Alleingang" Hahns verärgert und will nur zustimmen, wenn die Zahl der Studienplätze in den betroffenen Studienrichtungen um mindestens zehn Prozent aufgestockt wird.

Seit dem Studienjahr 2005/06 dürfen die österreichischen Universitäten in den genannten acht Fächern den Zugang beschränken. Einschränkung: Dabei darf die Anfängerzahl der vergangenen drei Jahre im betreffenden Fach nicht unterschritten werden. Ob die Unis tatsächlich Beschränkungen verhängen, liegt in ihrem Ermessen - die meisten Hochschulen haben davon Gebrauch gemacht. Diese Regelung gilt allerdings nur bis Ende 2007 - ohne die SPÖ-Zustimmung zu einer Verlängerung würden alle Studienrichtungen wieder "frei" sein.

Zuletzt hatte Hahn durchblicken lassen, dass die Beschränkungs-Möglichkeit zumindest in einigen Fächern fallen könnte. Durch den Umstand, dass in den kommenden Jahren aufgrund doppelter Abitur-Jahrgänge in Deutschland und der Möglichkeit für deutsche Studenten, ihre Stipendien ins Ausland mitzunehmen, mehr Deutsche nach Österreich drängen könnten, wolle er aber "prophylaktisch" handeln, "bevor ich in einem halben Jahr draufkomme, ich muss das wieder reparieren". Eine zentral verordnete Aufstockung der Studienplätze werde es nicht geben, die Unis müssten über zusätzliche Plätze innerhalb der derzeit geltenden Leistungsvereinbarung für sich entscheiden.

Das ärgert wiederum Broukal: "Universitäten sind keine unabhängigen Privatunternehmen, in deren Betriebsführung der Staat nicht eingreifen darf, sondern staatliche Einrichtungen." Den Entwurf sieht er nur als "Beginn der Diskussion": "Mit dem primitiven Alarmruf 'Hilfe, die Deutschen kommen' geben wir uns nicht zufrieden."

Die Rektorenkonferenz (ÖRK) begrüßte den Plan Hahns, verlangte aber eine "grundsätzliche Regelung" des Hochschulzugangs. Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) zeigte sich dagegen "entsetzt über diesen Schlag ins Gesicht der Studierenden". Die Verlängerung der Beschränkungen in allen acht Fächern sei "nicht nur absolut unnötig, sondern eine regelrechte Verarschung der angehenden Studierenden", so ÖH-Chef Hartwig Brandl. "Geradezu absurd" ist die Diskussion für den Grünen Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald. (apa/red)

24.9.2007 21:50