Austria Tabak schließt Linzer Werk bis 2009: Im Gegenzug Investition in Hainburg
- 300 Mitarbeiter von Zusammenlegung betroffen
- "Faire und großzügige Behandlung" in Aussicht
Die mittlerweile zum Japan Tobacco-Konzern gehörende Austria Tabak (AT) schließt ihr Linzer Werk. Im Gegenzug soll das Werk im niederösterreichischen Hainburg ausgebaut werden. Die Produktion in Linz soll bis Ende 2009 schrittweise verlagert und dann eingestellt werden, teilte Austria Tabak mit. Davon betroffen sind rund 300 Mitarbeiter, der überwiegende Teil davon in Linz, einzelne Personen auch in Wien.
Ihnen wird vom Unternehmen - in Kooperation mit dem Betriebsrat - eine "faire und großzügige Behandlung" in Aussicht gestellt. Man könne den Verlust von Arbeitsplätzen zwar nicht ungeschehen machen, es gehe aber um "ein klares Signal, dass wir die Loyalität unserer Mitarbeiter sehr schätzen", sagte der für die Österreich-Werke zuständige Austria Tabak-Manager Robert Seibezeder.
JTI verspricht Standort Österreich
Zugleich sprach sich Japan Tobacco International (JTI), in der Japan Tobacco ihre weltweiten Aktivitäten bündelt, deutlich für eine Fortsetzung der Produktion in Österreich aus. "JTI bekennt sich klar zur Produktion in Österreich, zusammengefasst an einem Standort", teilte das Unternehmen mit. Das nach der Schließung von Linz letzte verbleibende Austria Tabak-Werk in Hainburg soll ausgebaut werden. Zur Höhe der geplanten Investitionen gab es keine offiziellen Angaben. Dem Vernehmen nach könnte es sich um einen Betrag in der Größenordnung von 30 Mio. Euro handeln.
AT-Geschäftsführer Stefan Fitz, der mittlerweile auch dem JTI-Vorstand angehört, kann der Entscheidung durchaus positive Seiten abgewinnen: "Damit ist der Produktionsstandort gesichert", erklärte er. Der drittgrößte Tabakkonzern weltweit bekenne sich mit dem geplanten Ausbau von Hainburg "klar zu einer Top-Qualitätsproduktion in Österreich".
Dem Beschluss sei eine "schwere Entscheidung" vorausgegangen. Die "baulichen Gegebenheiten" hätten für Hainburg gesprochen, erklärte Fitz. In Linz wäre der Investitionsbedarf für die Gebäudeinfrastruktur "sehr viel höher als in Hainburg" gewesen, das fünfstöckige Werk ist zum Teil denkmalgeschützt. Zudem gebe es in Hainburg bereits eine Filterproduktion.
Bündelung im Trend?
Der Trend zur Konzentration sei international. Bei der - damals noch staatlichen - Austria Tabak habe es bereits in den 70er Jahren Pläne zur Konzentration der Produktion an einem Standort - in Brunn am Gebirge - gegeben, sagte eine mit dem Prozess informierte Person.
Erst in der Vorwoche hatte der Rechnungshof kritisiert, dass beim Verkauf der Austria Tabak an den britischen Gallaher-Konzern im Jahr 2001 bessere Standortgarantien verhandelbar gewesen wären. Die vereinbarte "Erhaltung der maßgeblichen Leitungs- und Steuerungsfunktionen für den Standort Österreich sowie Beibehaltung der Firma 'Austria Tabak' und eine weitestgehende Sicherung der Beschäftigung in Österreich" seien relativ unpräzise formuliert und nur durch einen Businessplan sichergestellt worden", so die Kritik des Rechnungshofs.
Das mehr als 150 Jahre alte Linzer Austria-Tabak-Werk ist ein kleines Wahrzeichen für die Landeshauptstadt. In der "Tschickbude", wie das Industriegebäude augenzwinkernd genannt wird, war eine Zeit lang auch das Institut für Bildende Kunst und Kulturwissenschaften der Linzer Kunstuniversität untergebracht. Auch ein Fußballverein benannte sich nach dem Werk, der frühere "SV Austria Tabak" kickt heute unter dem Namen "FC Blau-Weiß Linz".
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