Franzosen verkaufen Niederlande an Deutsche: Telecom gibt Sparte Orange ab
- Deutscher Konkurrent muss 1,33 Mrd. Euro zahlen
- One-Übernahme durch France Telecom vor Abschluss
France Telecom hat den Verkauf seiner Sparte Orange Niederlande an die Deutsche Telekom bestätigt. Der deutsche Konkurrent muss 1,33 Mrd. Euro zahlen. Das Geschäft war bereits aus Branchenkreisen bekannt geworden und kommt wenige Tage vor dem Einstieg der France Telecom-Mobilfunktochter Orange in Österreich.
Erst vor einer Woche hat die EU-Kommission für die Übernahme des drittgrößten österreichischen Mobilfunkers One durch Orange und den Finanzinvestor Mid Europa Partners (MEP) Grünes Licht gegeben. Der endgültige Vertragsabschluss (Closing) soll in den ersten Oktober-Tagen über die Bühne gehen. Orange war schon bisher mit 17,45 Prozent an One beteiligt und wird künftig im Konsortium mit MEP auf 35 Prozent kommen. Der bisherige One-Mehrheitsaktionär, der deutsche Energiekonzern E.ON, hat den Kaufpreis mit einem Gesamtunternehmenswert von 1,4 Mrd. Euro beziffert.
In den Niederlanden verdrängt die Deutsche Telekom durch die Übernahme von Orange den Konkurrenten Vodafone vom zweiten Platz. In einem Bieterverfahren hatte sie sich gegen mehrere Finanzinvestoren durchgesetzt. Der deutsche Konzern verspricht sich laut Zeitungsbericht durch die Fusion Synergien in Höhe von insgesamt einer Mrd. Euro. Marktführer im niederländischen Mobilfunk ist derzeit KPN mit einem Anteil von rund 50 Prozent.
Deutsche Telekom setzt weiter auf Auslandswachstum
Die Deutsche-Telekom-Mobilfunk-Tochter T-Mobile setzt derzeit auf Wachstum im Ausland. Der Zukauf von Orange in den Niederlanden ist die zweite große Übernahme binnen kurzem. Erst vor eineinhalb Wochen hatte das Unternehmen die Übernahme des US-Mobilfunkanbieters SunCom Wireless für rund 1,7 Mrd. Euro verkündet.
2006 hatte T-Mobile, in Österreich Nummer Zwei am Markt, für 1,3 Mrd. Euro die Nummer Vier tele.ring gekauft. Es war damals die erste große Auslandsakquisition der Deutschen seit langem. T-Mobile ist damit in Österreich deutlich näher an den Marktführer A1 herangerückt - mit zuletzt 3,15 Mio. Kunden gegenüber 3,7 Mio. A1-Kunden.
In den Niederlanden erhöht T-Mobile mit der Orange-Übernahme die Zahl ihrer Kunden in dem stark umkämpften niederländischen Markt um mehr als 2,1 Mio. auf 4,8 Mio. und ihren Umsatz um 621 Mio. Euro auf knapp 1,8 Mrd. Euro. Der Marktanteil steige auf 27 Prozent. Die Deutsche Telekom erwartet aus der Akquisition durch geringere Marketingausgaben und die Zusammenführung der Netze insgesamt eine Mrd. Euro an Einsparungen, von denen etwa die Hälfte auf die ersten sechs Jahre entfallen soll.
Der in bar zu bezahlende Kaufpreis von rund 1,3 Mrd. Euro habe keinen signifikanten Einfluss auf das Verhältnis zwischen Netto-Finanzverbindlichkeiten und dem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). 2006 beliefen sich die Netto-Finanzverbindlichkeiten der Deutschen Telekom auf das Doppelte des EBITDA.
Die Deutsche Telekom und die Orange-Mutter France Télécom hatten seit Juni über den Verkauf verhandelt. Der Deal soll zum 1. Oktober abgeschlossen werden. Die EU hatte die Übernahme vor rund einem Monat bereits genehmigt.
Ein Sprecher von France Télécom erklärte, Orange habe in den Niederlanden aus Sicht des Unternehmens nicht die nötige Größe gehabt. In dem verhältnismäßig kleinen Land seien vier Netzbetreiber und rund vierzig Mobilfunk-Anbieter auf dem Markt.
(apa/red)

