OMV bietet MOL-Aktionären 11 Mrd. Euro: Deal wackelt - Ungarn muss erst einlenken
- Antwort aus Ungarn: "Zeitverschwendung" für OMV
- Österreichs Regierung unterstützen OMV-Bemühung

Seit Jahren wartet der größte österreichische Energiekonzern OMV vor der ungarischen Tür. Jetzt will er gemeinsam mit der EU-Kommission und den Aktionären der MOL den Widerstand des dortigen Managements und der Budapester Regierung brechen. Die OMV hat den anderen MOL-Aktionären in einer überraschenden Absichtserklärung eine 11,2 Mrd. Euro schwere Ankündigung eines Offerts unterbreitet. Für ihre bisherigen MOL-Anteile - mittlerweile 20,2 Prozent - hat die OMV schon 1,4 Mrd. Euro auf den Tisch gelegt.
Die heimische Regierung unterstützt die OMV-Linie, auch wenn sich der österreichische Staatsanteil an der OMV leicht reduzieren könnte, und hat die Ungarn vor protektionistischen Maßnahmen gewarnt. Die EU-Kommission beobachtet das Vorgehen.
Reaktionen an den Börsen
An den Börsen glaubten die Händler dennoch kaum, dass die OMV tatsächlich mit ihren Übernahmeplänen Erfolg haben wird - nicht zuletzt angesichts der klaren Botschaft der MOL, die von reiner "Zeitverschwendung" sprach. Die MOL-Aktie legte 5 Prozent zu, gab aber wieder 3 Prozent ab. Die OMV-Aktie fiel zwischendurch 6,7 Prozent - auch wenn die Angebotsprämie Analysten nicht überraschte -, kurz nach 16.30 Uhr lag sie mit 48,74 Euro um 5,49 Prozent im Minus.
OMV optimistisch
Der OMV-Chef glaubt fest an den Erfolg des Offerts und will den Zusammenschluss in längstens zwei bis drei Jahren unter Dach und Fach haben.
Pro MOL-Aktie sicherte die OMV ein Angebot von 32.000 Forint zu - das sind knapp 19 Prozent mehr als der letzte MOL-Kurs von Montag und fast 44 Prozent über jenem Kurs, auf dem die MOL-Aktie vor Ausbruch der Übernahmegerüchte durch die OMV gelegen war. Für die Finanzierung hat die OMV mit einem kleinen Syndikat internationaler Banken im Rücken 9 Mrd. Euro aufgestellt. Den Rest - laut Absichtserklärung "bis zu 25 Prozent" des Offerts - will die OMV in Form von offenbar neu auszugebenden OMV-Aktien anbieten. Deklariertes Ziel sind "50 Prozent plus" an der MOL.
Der heutige Vorstoß sei freilich "rein rechtlich nicht bindend", sagte Ruttenstorfer in eine kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Ein Übernahmeangebot für die MOL könne die OMV erst legen, wenn "die Hindernisse zur Erlangung der Kontrolle über die Stimmrechte in MOL beseitigt" seien. Derzeit hat die MOL die Stimmrechte ihrer Aktionäre unabhängig von der Größe ihres Anteils auf 10 Prozent beschränkt. Gleichzeitig kontrolliert das MOL-Management über "befreundete Unternehmen" etwa 40 Prozent der Anteile und hat damit bisher erfolgreich eine Änderung der Statuten blockiert. Zusätzlich wird im ungarischen Parlament derzeit über ein neues Gesetz zum Schutz strategisch wichtiger Unternehmen vor Übernahmen geprüft, bestätigte der ungarische Wirtschaftsstaatssekretär Geza Egyed.
Das jetzige Angebot der OMV an Ungarn:
- Im Falle einer Übernahme wäre man bereit, das Management und den Hauptsitz für das wichtigste Teilgeschäft des neuen Gemeinschaftskonzerns, den Raffinerie-Bereich, nach Budapest zu verlagern,
- im neuen, gemeinsamen Aufsichtsrat entsprechend den zwei Repräsentanten der österreichischen Staatsholding ÖIAG auch zwei ungarische Vertreter aufzunehmen
- eines neuen Management-Team, das sich aus Köpfen beider Unternehmen zusammensetzt, zu schaffen
- und bei "vielen anderen Themen wie Firmenname, Sprache, Marke, Mitarbeiteranzahl, Investorenkontakte, Steueraufkommen sowie Investitionen auf eine Gleichbehandlung der österreichischen und ungarischen Stakeholder" zu achten.
Damit wolle man gegenüber der ungarischen Regierung noch stärker verdeutlichen, dass es sich bei der angepeilten Fusion um einen "Zusammenschluss unter Gleichen" handeln würde, betonte Ruttenstorfer - und er verwies darauf, dass sich daraus 400 Mio. Euro Einsparungen pro Jahr ergeben würden. Die Raffinerien Wien-Schwechat und Slovnaft in Bratislava, die der MOL gehört, könnten laut OMV-Vizegeneral Gerhard Roiss miteinander verbunden werden. Slovnaft würde so an Triest angebunden; das hieße dann für die Slowakei auch Öl aus dem Süden, das um 3 bis 4 Dollar pro Fass günstiger sei, so Roiss. Detaillierte Analysen und Diskussionen deuteten zwar bisher darauf hin, dass das zusammengeschlossene Unternehmen gewisse Veräußerungen tätigen müsste. Die OMV sei jedoch davon überzeugt, dass derartige Veräußerungen keinen materiellen Einfluss auf die Attraktivität eines Zusammenschlusses haben würden, erklärte der Konzern.
Ganz anders die Ungarn: Einmal mehr bekräftigt das MOL-Management, dass es Überschneidungen und Wertverluste durch Verkaufsvorgaben der EU-Wettbewerbsbehörde befürchtet. Die MOL werde mit dem Angebot deutlich unterbewertet, daher werde es von der MOL-Führung nicht weiter in Betracht gezogen, und es werde auch keine diesbezüglichen Verhandlungen mit der OMV geben. "Wir sehen keinen Sinn darin, mit einem bedingten Angebot Zeit zu verschwenden, das keinerlei Vorteile für unsere Aktionäre bringt", so Unternehmenssprecher Szabolcs Ferencz.
Reaktionen der ungarischen Regierung
Ungarns Regierung, die sich in der Vergangenheit wiederholt gegen die Übernahmebestrebungen der OMV gestellt hatte, bezeichnete die Avancen der Österreicher heute neuerlich als Versuch einer "feindlichen Übernahme". Ähnlich wie andere EU-Staaten und in Übereinstimmung mit EU-Recht wolle die ungarische Regierung die Kontrolle über strategisch wichtige Unternehmen behalten, wenn ihnen die Übernahme durch Unternehmen drohe, hinter denen andere Staaten stehen, erklärte Regierungssprecher David Daroczi.
Reaktion aus Brüssel
"Das ist eine Situation, die uns sehr interessiert und die wir uns sehr genau ansehen werden." Eine Prüfung der früheren und im April novellierten ungarischen Golden Share-Regelung sei im Gange, sagte der Sprecher von Binnenmarktkommissar Charly McCreevy. Auch ein eventuell neues Gesetz, das Budapest zur Abwehr der MOL-Übernahme angekündigt hat, werde die Kommission prüfen. Würde dies EU-Recht widersprechen, könnte die Kommission ein weiteres Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn anstrengen.
Österreichs Regierung hinter der OMV
Österreichs Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) hat für die OMV faire Wettbewerbsbedingungen in Ungarn eingefordert. "Wir werden uns eine Lex 'OMV' genau anschauen, genau analysieren und gegebenenfalls entsprechende Handlungen ableiten", sagte Bartenstein. Vizekanzler Finanzminister Wilhelm Molterer (V) würdigte eine möglichen Fusion der beiden benachbarten Ölkonzerne als Absicherung für Standorte und Arbeitsplätze. SPÖ-Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter ortet positive Effekte für die Volkswirtschaft in Österreich und Ungarn. Man werde sich "besonders bemühen, in Gesprächen mit der ungarischen Regierung eine positive Lösung zu finden", so der Finanzstaatssekretär.
Eine allfällige Verwässerung der ÖIAG-Anteile werde sich nur "im minimalsten Ausmaß" abspielen und sei daher "kein Problem", sagte Matznetter zur APA. Die ÖIAG und der arabische Syndikatspartner IPIC aus Abu Dhabi würden weiterhin zwischen 45 und 50 Prozent halten. Die ÖIAG alleine hält derzeit noch 31,5 Prozent an der OMV und die IPIC 17,6 Prozent. Einen Rückfall der ÖIAG unter 25 Prozent schloss auch OMV-Chef Ruttenstorfer aus.
(apa/red)

