Erste Volunteers für EURO am Prüfstand:
Kostenlose Arbeitskräfte werden gesucht
- Neben Fremdsprachen sind auch "Soft Skills" gefragt
- Es gibt bereits 8000 Meldungen aus 120 Nationen
Es war ein "spannender Tag" wie Martin Kallen verkündete. Der EURO-2008-Geschäftsführer läutete in Wien die ersten Interviews mit Bewerbern für das Volunteer-Programm der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz ein und durfte sich auch über 8.000 bereits eingegangene Meldungen aus 120 Nationen freuen. Während der Fußball-WM werden in den beiden Veranstalterländern je 2.500 Freiwillige im Einsatz sein. Aus Österreich, betonte Kallen allerdings, "würde ich gerne ein paar Leute mehr sehen".
Seine Latein-Kenntnisse wird er als Freiwilliger Helfer bei der EM wohl nicht auspacken müssen, jener junge Mann, der sich als einer der Ersten in den Räumlichkeiten der Turnierdirektion der EURO 2008 im Wiener Ernst-Happel-Stadion einem rund 30-minütigen Bewerber-Interview unterzog. Die Auslandserfahrung im Jus-Studium oder die Mitarbeit im europäischen Jugendparlament dürften ihm bei der Auswahl freilich durchaus zupasskommen.
Sicher scheint jedenfalls, dass sich die EURO-Veranstalter ihre Helfer sehr genau ansehen und -hören. Wer in die engere Wahl kommt, wird zu einem persönlichen Gespräch geladen, eigens geschulte Langzeit-Volunteers nehmen die Interessenten gemäß eines Fragebogens unter die Lupe.
"Es ist ein sehr differenzierter Arbeitsprozess, der mit hohem Arbeitsaufwand verbunden ist", betonte Christian Schmölzer, Turnierdirektor für Österreich. So werden mehr als 120 Personen an rund 100 Tagen während 5.000 Stunden Interviews mit bis zu 10.000 Kandidaten führen. Neben dem vollendeten 18. Lebensjahr, klassischen Fähigkeiten wie Fremdsprachenkenntnissen oder einschlägigen Erfahrungen zählen nicht zuletzt auch "Soft Skills". Schmölzer: "Vor allem die Persönlichkeit ist wichtig."
Bezahlung: Adidas-Outfit und Erfahrung
Schmölzer lobte denn auch das freiwillige Engagement. Die Bewerber würden "etwas Wertvolles" anbieten, "nämlich Zeit. Und das kostenlos". Neben Ausbildung und Adidas-Outfit versprach er den Helfern als Gegenleistung deshalb vor allem eines: "Ich denke, dass sie viel an Erfahrung für sich selbst mitnehmen werden".
Dass das Interesse für die Spiele in Österreich bisher etwas bescheidener ausfällt als in der Schweiz erklärte der Eidgenosse Kallen so: "In der Schweiz ist man bei solchen Dingen etwas früher dran." Das "Voluntari"-Dasein sei in der Bevölkerung auch im sportlichen Bereich verankert und habe einen höheren Stellenwert. Schon bei der WM 2006 hätten zahlreiche seiner Landsleute in Deutschland unentgeltlich mitgeholfen.
Bei den Auslands-Bewerbern, erläuterte Schmölzer, seien überdurchschnittlich viele Deutsche, aber auch Polen vertreten, ein Gutteil davon lebe in Österreich. 70 Prozent aller Bewerber sind Männer, daran gelte es noch zu arbeiten: Kallen: "Wir wollen eigentlich ein ausgeglichenes Verhältnis."
Größeres Interesse in der Schweiz
Ein solches wäre freilich auch im Ländervergleich Schweiz-Österreich wünschenswert. Denn während es für die Spiele der Eidgenossen bereits 5.000 Interessenten gibt, fanden sich in Österreich bisher nur 3.000 Willige. Am schlechtesten schneidet Klagenfurt ab, wo sich erst 140 Personen für 500 notwendige Stellen gemeldet haben. "Wir sind zuversichtlich, dass da noch mehr kommt", betonte Schmölzer, der vor allem in der Studentenschaft ein noch unausgeschöpftes Potenzial ausmacht.
Insgesamt werden die Volunteers in 14 Bereichen zum Einsatz kommen, der größte Bedarf besteht beim Transport, der Gästebetreuung sowie bei den Akkreditierungen. Die erste Bewerbungsphase läuft noch bis 15. November, eine zweite folgt von 3. Dezember bis 29. Februar. Anmeldungen sind ausschließlich via Homepage www.euro2008.com möglich.
(apa/red)











