Militärpräsenz in Burma nun ausgeweitet:
UNO-Gesandter Gambari bei Suu Kyi zu Gast
- Militär-Junta erklärte Proteste zuvor für gescheitert
- Experte warnt vor sinnlosen westlichen Restriktionen

·Proteste laut Militär-
Junta gescheitert
UN-Sondergesandter in Burma eingetroffen
·BILDER: Die Proteste der Mönche in Burma
Tausende Menschen gehen auf die Straße
·Pressestimmen zu den Massenprotesten
Die Beziehungen Burma- China als wichtiger Faktor
·Asien-Experte: Kaum Chance für Demokratie
Internationaler Druck auf Junta ist wirkungslos
·Aung San Suu Kyi angeblich in Haft
Symbolfigur der Demo-
kratisierungsbewegung
·GRAFIK: Proteste gegen Militärregime
Statistische Daten und Fakten über Burma
·Die Chronologie der Proteste in Burma
Von den ersten Protesten bis zu den Massendemos
·Chronologie: Der Leidensweg Burmas
Demokratiebewegung 1988 in Blutbad ertränkt
Nach der Unterdrückung der Massenproteste in Burma ruhen die Hoffnungen der Bevölkerung und der internationalen Gemeinschaft nun auf den Vermittlungsbemühungen des UNO-Sondergesandten Ibrahim Gambari. Der Nigerianer traf am Wochenende mit der Junta-Führung und mit der seit Jahren unter Hausarrest stehenden Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi zusammen.
Papst Benedikt XVI. zeigte sich besorgt über die Lage in Burma. Tausende Soldaten riegelten unterdessen die größten Städte des Landes ab. Demonstranten waren nicht zu sehen.
Das Treffen mit der Oppositionsführerin habe in einem für Gambari bereitgestellten staatlichen Gästehaus in Rangun stattgefunden, verlautete aus diplomatischen Kreisen. Über den Inhalt des rund 90-minütigen Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt. Gambari war in Rangun eingetroffen, aber vom Flughafen zunächst direkt weiter in die 300 Kilometer nördlich gelegene Dschungelstadt Naypyidaw geflogen, die von der Junta zum neuen Regierungssitz erklärt worden war. Dort soll er auch mit dem Junta-Führer Than Shwe gesprochen haben.
Chance auf Sturz gleich "Null"
Das Kalkül mit der massiven Präsenz der Sicherheitskräfte ging offensichtlich auf: In den Straßen Ranguns herrschte unheimliche Stille. Aus diplomatischen Kreisen in Rangun hieß es, in der größten burmesischen Stadt seien rund 20.000 Soldaten und Polizisten im Einsatz. "Die Sicherheitskräfte demonstrieren ihre Stärke", sagte der Diplomat. "Ich denke, die Chance der Demonstranten, auf die Straße zu gehen und genügend Leute zu mobilisieren, um die Junta zu stürzen, ist Null." Personen, die verdächtigt würden, in der vergangenen Woche Demonstrationen organisiert zu haben, würden verhaftet. Die Zahl der Verhaftungen schätzte der Diplomat auf bis zu 1.000. Da das Hauptgefängnis überfüllt sei, würden Verhaftete nun in Universitätsgebäuden und anderen Bildungseinrichtungen festgehalten.
Kein weiterer Protest der Mönche
In Rangun baten einige Mönche um Almosen. "Wir werden nicht mehr protestieren", sagte einer von ihnen. "Wir werden stattdessen friedlich demonstrieren." Am Samstag hatten sich in Rangun noch etwa 300 Menschen auf die Straßen gewagt. Die Demonstration löste sich auf, als Sicherheitskräfte einrückten. Nach staatlichen Angaben kamen bei den Protesten seit Mittwoch zehn Menschen ums Leben, Aktivisten sprechen von bis zu 200 Todesopfern.
Soldaten standen sowohl in Rangun als auch in Mandalay Wache vor den Klöstern und blockierten die umliegenden Straßen mit Stacheldrahtsperren. Geschäfte und öffentliche Parks blieben leer. Kaum jemand schien sich auf die Straße zu wagen. Die Junta hat zudem den öffentlichen Zugang zum Internet unterbrochen, was internationale Kritik auslöste.
China und Japan fordern Frieden
Die wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Verbündeten des südostasiatischen Landes, China und Japan, forderten die Militärjunta auf, die Stabilität im Land friedlich wiederherzustellen. Er hoffe, dass alle Seiten Zurückhaltung übten, sagte der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao in einem Telefonat mit dem britischen Premierminister Gordon Brown. Sanktionen gegen das Regime in Rangun hat China bisher abgelehnt.
In Japan und Südkorea protestierten unterdessen mehrere hundert Menschen gegen die Gewalt in Burma. In Tokio kamen knapp 900 Menschen zusammen, die meisten von ihnen waren Burmesen. Sie forderten auf Plakaten ein Ende der Militärherrschaft in Rangun und die Freilassung der seit Jahren unter Hausarrest stehenden Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi. In Seoul versammelten sich 300 Demonstranten vor der burmesischen Botschaft.
Restriktionen nicht zielführend
Der Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft übte indes Kritik am westlichen Kurs gegen Burma. Er glaube nicht, dass Burma durch Restriktionen der Europäer und Amerikaner in die richtige Richtung gelenkt werden könne, sagte Vorsitzender Jürgen Hambrecht dem "Handelsblatt". "Mit einer Kürzung unserer Unterstützung tun wir gerade das Falsche", kritisierte der BASF-Vorstandsvorsitzende. Zudem habe das Beispiel Irak gezeigt, dass man wissen müsse, wie es nach dem Sturz einer Militärregierung weiter gehen solle.
