Sonntag, 30. September 2007

Taliban wollen keine Verhandlungen führen:
Angebot von Hamid Karzai zurückgewiesen

  • Kein Kompromiss trotz Aussicht auf Regierungsposten
  • Rebellen verlangen Abzug der ausländischen Truppen

Angesichts der Eskalation der Gewalt in Afghanistan hat sich Präsident Hamid Karzai zu persönlichen Friedensgesprächen mit Taliban-Führer Mullah Omar bereiterklärt und den Extremisten Posten in der Regierung in Aussicht gestellt, wenn sie ihren Aufstand beenden. Bei einem der blutigsten Anschläge seit dem Sturz der Taliban riss ein Attentäter in Kabul kurz zuvor mindestens 30 Menschen mit in den Tod. Die Taliban lehnten das Gesprächsangebot Karzais ab und forderten einen Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan.

Ihr Sprecher Qari Yousef Ahmadi erklärte, man werde nicht mit der Regierung in Kabul verhandeln, bevor die ausländischen Streitkräfte nicht das Land verlassen hätten. Selbst wenn Karzai sein Amt aufgebe, werde es nicht zu Gesprächen mit Mullah Omar kommen. "Wir wollen den Abzug der ausländischen Truppen, und wir halten an dieser Position fest", betonte Ahmadi. Die Taliban seien an einer Mitarbeit in der Regierung nicht interessiert. Nach Angaben von Karzais Büros erwägen jedoch mehrere Taliban-Kämpfer ernsthaft, ihre Waffen niederzulegen. "Sie wollen in Frieden leben", sagte Sprecher Humayun Hamidzada. Auch die UNO und die NATO berichteten von entsprechenden Anzeichen.

"Warum zerstören sie das Land"
Karzai erklärte, er wolle auch mit Milizführer Gulbuddin Hekmatyar sprechen. "Wenn ich ihre Adresse habe, brauchen sie nicht zu mir kommen, ich werde persönlich dorthin gehen und mich bei ihnen melden", erklärte der Präsident. Er hatte die Taliban in den vergangenen Wochen wiederholt zu Verhandlungen aufgefordert. "Warum zerstören sie das Land", fragte er an die Adresse Omars und Hekmatyars.

Entführung des Roten-Kreuz-Mitarbeiters beendet
Vier bei den Bemühungen um die Freilassung des Deutschen Rudolf B. in Afghanistan entführte Mitarbeiter des Roten Kreuzes sind unterdessen wieder frei, wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bestätigte. Sie seien von ihren Entführern gut behandelt worden, sagten die Männer - ein Burmese, ein Mazedonier und zwei Afghanen - nach ihrer Freilassung. B. sei noch am Leben, berichteten die Rot-Kreuz-Mitarbeiter. Der Ingenieur wurde zusammen mit seinem Kollegen Rüdiger D. am 18. Juli in Wardak verschleppt. D. erlitt in der Gefangenschaft einen Schwächeanfall und wurde erschossen.

Die IKRK-Mitarbeiter waren in der Provinz Wardak entführt worden. Ein Taliban-Kommandant sagte in einem Video, das die Fernsehnachrichtendienst APTN erhalten hat, er habe die Gefangennahme der vier befohlen, weil er sie für Spione gehalten habe. Nachdem klar gewesen sei, dass es sich um Mitarbeiter des Roten Kreuzes handle, seien sie freigelassen worden. (apa/red)

30.9.2007 13:59