Irak über Teilungsplan der USA erzürnt:
Vorschläge des Volks weitgehend abgelehnt
- Innenminister warnt nun vor verheerenden Folgen
- Bagdad: 13 Iraker bei US-Helikopter-Angriff getötet
Im Irak wächst der Protest gegen den Vorschlag des US-Senats für eine Aufspaltung des Iraks in drei Landesteile. Ein Vertrauter des ranghöchsten schiitischen Geistlichen, Großajatollah Ali al-Sistani, sagte in seiner Freitagspredigt vor Hunderten von Gläubigen in der Stadt Kerbala: "Ich rufe alle Brüder auf, sich diesem Plan entgegenzustellen." Eine Teilung des Landes in Gebiete für Schiiten, Sunniten und Kurden sei abzulehnen. Stattdessen sollten sich die Iraker um Versöhnung bemühen.
Der schiitische Vizepräsident Adel Abdul Mahdi hatte in Damaskus erklärt, niemand solle versuchen, den Irakern etwas aufzuzwingen. "Das sind Entscheidungen, die alleine vom irakischen Volk getroffen werden." Der sunnitische Rat der Religionsgelehrten erklärte, jeder, der den Plänen des US-Senats Gehör schenke, sei ein Verräter seiner Religion und seines Vaterlandes. Die US-Regierung habe schon vor der Besetzung des Iraks geplant, das Land zu teilen.
Verheerende Folgen bei Spaltung
Der US-Senat hatte sich in einer Resolution für eine Aufteilung des Landes nach Volksgruppen ausgesprochen. Mehr als 20 Republikaner hatten sich der von dem demokratischen Präsidentschaftkandidaten Joseph Biden eingebrachten Vorlage angeschlossen. Die Regierung von Präsident George W. Bush lehnt eine Teilung des Iraks ab. Der ehemalige irakische Innenminister Falah al-Nakib warnte in einem Interview mit dem Nachrichtensender Al-Arabiya, eine Spaltung des Landes würde auch für die arabischen Nachbarländer sowie für den Iran und die Türkei verheerende Folgen haben.
Die US-Armee erklärte unterdessen, in einigen Vierteln Bagdads würden inzwischen mehr Sunniten von Angehörigen der eigenen Religionsgruppe getötet als von schiitischen Milizionären. Im Nordosten Bagdads sei die Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten deutlich zurückgegangen, die Zahl der Morde unter den Sunniten habe jedoch zugenommen. In Bagdad wurden bei einem Hubschrauberangriff der US-Armee nach Informationen des Nachrichtensenders Al-Arabiya 13 Iraker getötet. Den Angaben zufolge wurden bei der Operation in dem Stadtteil Al-Dura in der Nacht zudem elf Menschen verletzt. (apa/red)
