Sonntag, 30. September 2007

Molterers Sprung aus Schüssels Schatten:
NEWS - Vizekanzler und ÖVP auf der Sinnsuche

  • Wie sich der neue Chef vom alten emanzipieren will
  • Die "Neuaufstellung" ein Jahr nach Wahlniederlage

Es soll der lang ersehnte Befreiungsschlag werden. Genau ein Jahr hat die Partei schließlich ihre Wunden geleckt. Sich immer wieder über die "Ungerechtigkeit" der vergangenen Nationalratswahl beklagt. Und vor allem hat sie sich der für sie so bitteren Realität schlicht nicht stellen wollen. Am 1. Oktober soll damit endgültig Schluss sein: Keine Tränen mehr, kein Jammern mehr, soll dann die neue, "moderne" Devise der ÖVP lauten.

Denn genau ein Jahr nach der für die ÖVP so desaströs ausgegangenen Nationalratswahl will sich die Partei "neu aufstellen". ÖVP-Parteichef Wilhelm Molterer will dann allen zeigen, dass er endlich aus dem langen Schatten des schwarzen Übervaters Wolfgang Schüssel treten will und kann. Am 1. Oktober wird denn auch ÖVP-Vizechef Josef Pröll das "Endergebnis der Perspektivengruppe" präsentieren.

Top oder Flop?
Das neue Programm der ÖVP wird derzeit noch "gehütet wie der Heilige Gral", erzählt ein schwarzer Spitzenmann. NEWS kennt allerdings bereits die wesentlichen Aussagen des schwarzen Papiers.

Wer sich eine völlig neue ÖVP erwartet, wird freilich enttäuscht werden. In dem Dokument werden schließlich die "schwarzen Kernwerte" erneut betont und beschworen. Die ÖVP setzt weiterhin auf eine "Leistungsgesellschaft und Solidarität". Allerdings, betont Perspektivengruppenchef Pröll, werde man sich nun "auch öffnen und mit der Zeit gehen".

Und so taucht tatsächlich ein für die ÖVP brisanter Punkt im Neo-Programm auf: Die von NEWS bereits vor Wochen exklusiv veröffentlichten Vorschläge der steirischen ÖVP, wonach ausländische Ehegatten von Österreichern ein automatisches Bleibe- und Arbeitsrecht erhalten sollen, werden auch im Endpapier von Pröll enthalten sein (siehe Kasten Seite 30). Eine Linie, die Molterer unterstützt. Eine Linie, die aber auch für jede Menge Aufregung sorgen wird.

Molterers Emanzipation
Doch der Parteichef, der in den eigenen Reihen gern als "Pater Willi" bezeichnet wird, will "die Erneuerung der Partei forcieren, weil er weiß, dass er nur so die Partei wieder zur Nummer eins machen" könne, berichtet ein Vertrauter des Vizekanzlers. Kein leichtes Unterfangen. Denn immerhin beobachtet Ex-ÖVP-Bundeskanzler und nunmehriger ÖVP-Klubobmann Wolfgang Schüssel das schwarze Treiben mit Argusaugen. Doch wie sehr kann, wie sehr will sich Molterer überhaupt von Schüssel emanzipieren, fragen sich viele Schüssel-Skeptiker innerhalb der eigenen Partei. Immerhin hatte Molterer sieben Jahre lang ja Schüssels Politik eisern exekutiert. "Da unterschätzt man den Willi gewaltig. Er kann und wird sich emanzipieren. Und er wird zu seinen liberaleren Wurzeln zurückfinden", glaubt ein langjähriger Wegbegleiter Molterers.

Young-&-Rubicam-Chef Luigi Schober, der in den vergangenen Jahren auch immer wieder für Werbelinien von ÖVP-Landesgruppen verantwortlich war, meint, dass "die Schwierigkeit der ÖVP derzeit darin liegt, dass sie einfach zu viele Chefs" habe. Genau diese Optik will Molterer jetzt loswerden und sich selber exakt ein Jahr nach der Wahl "als klarer Chef im Ring positionieren", berichtet ein schwarzer Stratege.

Pröll wiederum soll die klare Nummer zwei der Partei sein. Und Wolfgang Schüssel - genau so, wie es einst Molterer als Klubobmann gemacht hat - den Willen des Parteiobmannes umsetzen. So weit der fromme schwarze Wunsch.

Den kompletten Beitrag können Sie im NEWS Nr. 39/07 nachlesen!

30.9.2007 08:23