Chefinspektor als Boss der Rotlichtszene?
Wird von Zeugen aus dem Milieu belastet
- Aussagen haben bereits für Suspendierung gesorgt
- Büro für Interne Angelegenheiten ermittelt gegen ihn

Mit der Klage, die ein Wiener Chefinspektor gegen einen seit Jahren in der Unterwelt beschäftigten "Aufpasser" betreibt, könnte sich der Polizist womöglich ein "Eigentor" geschossen haben. Die Aussagen des 36-jährigen "Tommy" hatten bereits für die Suspendierung des Polizisten gesorgt. Im Wiener Landesgericht bezeichneten zwei Zeugen ihn nun sogar als einen Boss der Rotlichtszene.
"Tommy" hatte in Medienberichten behauptet, der Chefinspektor habe am 1. Dezember 2005 bei der Hochzeitsfeier der Szene-Größe Dusan R. alias "Rocky" vier Stunden lang einen mehr als freundschaftlichen Umgang mit dem Bräutigam und anderen Gästen gepflogen. Vor Gericht wiederholte er seine Vorwürfe. Der Polizist räumte ein, auf eine halbe Stunde bei "Rockys" Hochzeit vorbeigeschaut zu haben - allerdings nur deshalb, weil dieser ein guter Informant gewesen sei.
Daran anschließend traten zwei frühere Rotlicht-Lokalbetreiber in den Zeugenstand, die den Polizisten weit mehr belasteten als "Tommy" es je getan hatte. Der eine bezeichnete den Polizisten wörtlich als "Creme de la Creme der Gürtel-Bosse". Dieser sei der "beste Freund" der Szene-Größe Dragan J. alias "Repic" gewesen, gegen den inzwischen unter anderem wegen Schutzgelderpressungen ein Strafverfahren anhängig ist. Der Polizist habe "mit diesen Leuten mitgespielt und mitgeschnitten", so der 40-jährige Zeuge unter Wahrheitspflicht.
Die "Interne" ermittelt
Der zweite Zeuge stellte einleitend fest: "Wir haben alle gewusst, dass 'Repic' von der Polizei Rückendeckung hatte." Als er "Repic" als Geschäftsführer eines seiner Etablissements ablösen wollte, habe ihn der Chefinspektor zu sich ins Büro gebeten, erzählte der 41- jährige Mann. Der Polizist habe ihm dort zu verstehen gegeben, er möge den Pachtvertrag mit "Repic" verlängern. Ansonsten würde das Lokal von der Polizei regelmäßig kontrolliert werden.
Der Prozess wegen übler Nachrede und Kreditschädigung wurde zur Anhörung weiterer Zeugen auf den 23. Oktober vertagt. Ob die Staatsanwaltschaft gegen den Chefinspektor vorgehen wird, steht noch nicht fest: Die dahingehenden Ermittlungen des Büros für Interne Angelegenheiten (BIA) sind noch nicht abgeschlossen.
(apa/red)
