Einsatz des Bundesheeres im Tschad?
Minister Darabos prüft Teilnahme an Mission
- Will sich bei "Fact-finding-Mission" ein Bild machen
- PLUS: Entsendung in den Sudan ist kein Thema

Das Bundesheer prüft, ob es an einem Militäreinsatz im Tschad teilnehmen kann. Verteidigungsminister Norbert Darabos wird nächste Woche selbst zu einer "Fact-Finding-Mission" in den Tschad fahren, um sich ein persönliches Bild zu machen, erklärte Darabos. Die weitere Vorgangsweise werde mit Außenministerin Ursula Plassnik abgesprochen, so der Verteidigungsminister.
Eine Entscheidung werde Mitte Oktober fallen. Denkbar sei eine Entsendung von 50 bis 60 Soldaten - darunter möglicherweise auch Pioniere und Elitesoldaten. Die österreichischen Militäranghörigen könnten etwa bei der Trinkwasserversorgung eingesetzt werden. Ein humanitärer Einsatz im Nachbarland des Sudans entspreche der Philosophie bisheriger UNO-Einsätze des Bundesheeres und verdiene daher eine seriöse Prüfung. Eine Teilnahme an Aktionen im Sudan sei hingegen kein Thema. Darabos: "Der Sudan ist ein Fass ohne Boden."
Die geplante UNO-Mission im Tschad unter Einbindung von militärischen Kräften der EU sei für die europäische Außen- und Verteidigungspolitik eine der bisher größten Herausforderungen, sagte Außenministerin Ursula Plassnik (V) am Rande der UNO-Generalversammlung in New York. Es sei essenziell, dass die Rahmenbedingungen für ein EU-Engagement eindeutig und präzise sind, betonte sie laut Aussendung.
In der westsudanesischen Region Darfur terrorisieren regimetreue arabische Janjaweed-Reitermilizen die ortsansässige Bevölkerung. Nach internationalen Schätzungen kamen seit 2003 mehr als eine Viertelmillion Menschen ums Leben, 2,5 Millionen wurden vertrieben, 250.000 davon flüchteten über die Grenze in das Nachbarland Tschad.
2006 kam es fast zum Krieg zwischen dem Tschad und dem Sudan. Ein vom Sudan gesteuerter Rebellenangriff im Tschad wurde mit französischer Militärhilfe zurückgeschlagen. Die Regierung in N'Djamena hatte den Nachbarstaat beschuldigt, eine Aggression vorzubereiten, und die Staatengemeinschaft um Hilfe ersucht
Truppenstärke von bis zu 4.000 Mann
Seitens der EU ist für den Tschad eine Truppenstärke von bis zu 4.000 Mann geplant. Die Soldaten würden im Osten des Landes und in einer angrenzenden Region der Zentralafrikanischen Republik stationiert. Die Entsendung soll planmäßig bis Jahresende erfolgen. Frankreich werde das größte Kontingent stellen. Der UN-Sicherheitsrat muss dem Einsatz noch zustimmen. Danach wird die endgültige Entscheidung über das Projekt Ende des Monats von den Ministern der EU-Länder getroffen.
Im Osten des Tschads leben rund 380.000 Flüchtlinge. Die meisten haben sich vor dem Bürgerkrieg im Sudan in Sicherheit gebracht. Rund 130.000 sind jedoch Einheimische, die wegen Kämpfen zwischen verschiedenen Stämmen aus ihren Dörfern vertrieben wurden.
(apa/red)
