Mittwoch, 19. September 2007

Fritz Muliar: ,Der Tod ist immer bei mir‘

Der ingeniöse Volksschauspieler legt zum 70-jährigen Bühnenjubiläum seine Lebensbilanz.

Fünfunddreißig Jahre ist die Fernsehserie alt und doch so lebendig, dass im und vor dem „Sacher“ deutsche Touristen im Zehnminutentakt „Hallo, Herr Schwejk!“ rufen und fotografieren wie sonst nur die Japaner. Ein Fiaker spurtet über die Operngasse und haut dem alten Herrn auf die Schulter. Und kürzlich, sagt Fritz Muliar, haben zwölf Harley-Davidson-Biker auf offener Landstraße ihre Rösser gezügelt und ein dreifaches „Hoch Muliar!“ ausgebracht.

Siebenundachtzig Jahre ist er jetzt und hat soeben sein siebzigjähriges Bühnenjubiläum begangen. Ein paar Monate vor Hitlers Einmarsch hat er als Halbwüchsiger in Stella Kadmons kabaretthistorisch relevantem „Lieben Augustin“ begonnen. Bald danach emigrierte die Prinzipalin nach Palästina. Auch Muliars jüdischer Ziehvater war auf der Flucht. Der junge Mann spielte im arisierten „Simpl“. Als er Gagenerhöhung verlangte, wurde er entlassen und musste in den Krieg, wo ihn ein österreichischer Kamerad wegen wehrkraftzersetzender Reden denunzierte. Muliar wurde zum Tod verurteilt und dann zu fünf Jahren begnadigt. Nach dem Krieg aber begann eine beispiellose Karriere im Film, im Fernsehen und auf der Bühne. Am Burgtheater war er einer der ganz Großen, ehe er im Zorn auf Peymann an die „Josefstadt“ zurückkehrte. Dort spielt er heute noch – demnächst ein ihm gewidmetes Stück von Felix Mitterer.

Dazu kommt der politische Mensch, der Kreiskys Weggefährte war und als ORF-Publikumsrat die Reform mit Schrecken beobachtet. NEWS traf ihn zur Lebensbilanz über die Letzten Dinge. Fritz Muliar über Angst vor dem Tod, Enttäuschung über das Theater und auch sein Leben als Freimaurer.

NEWS: Wie geht es Ihnen?
Muliar: Wieder halbwegs, aber vor vierzehn Tagen habe ich gedacht, ich komm nicht mehr über die Klippen. Ich hab mir vor fünf Monaten eine schwere Bronchitis zugezogen, von der mein Arzt bis heute nicht weiß, was es ist. Ich habe nicht mehr atmen können und Infusionen und drei verschiedene Sprays bekommen. Jetzt habe ich Hoffnung, dass ich die Proben beginnen kann. Ich hab schon zu lernen begonnen, was bei mir immer ein schwerer Entschluss ist.
NEWS: Lernen Sie schnell?
Muliar: Nicht alles. Ich war zum Beispiel immer ein schlechter Shakespeare-Schauspieler, weil ich ihn schlecht gelernt und mich zu wenig mit ihm befasst habe. Leicht und präzise gelernt hab ich den Brecht.

Das ganze Interview lesen Sie im neuen NEWS

19.9.2007 15:36