Ex-ÖGB-Boss vor Gericht: Der tiefe Fall des Fritz V.

Wer nach Bawag-Skandal und Penthouse-Troubles noch hinter Ex-ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch steht.
Verkehrte Welt für Fritz Verzetnitsch. Der Ex-ÖGB-Präsident, einst einer der mächtigsten Männer der Republik, wird von seinen roten Parteigenossen gemieden, während ihm prominente Vertreter des gegnerischen ÖVP-Lagers Rosen streuen. Die Spitzen der Sozialdemokratie wie SPÖ-Klubchef Josef Cap und Gewerkschaftsgranden wie Rudolf Hundstorfer oder Franz Bittner üben sich entweder in verbalen Schuldzuweisungen oder gehen auf totale Distanz. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl hingegen würdigt den Ex-Gewerkschaftsboss als einen aufrechten Menschen, der sein schweres Schicksal mit Fassung trägt. Und Ex-ÖVP-Obmann Erhard Busek unterstützt Verzetnitsch mit seinen engen Verbindungen nach Brüssel und auf dem Balkan, wo Verzetnitsch zu einem Botschafter des Sozialpartnerschaftsmodells werden soll.
Von Genossen gemieden. Zunächst ist Verzetnitsch allerdings mit dem Bawag-Prozess beschäftigt, wo er diese Woche auf der Zeugenliste steht. Ursprünglich hätte er sogar am selben Tag wie sein Nachfolger Hundstorfer aussagen sollen dieser bat aber um eine Vorverlegung seines Termins, um nicht auf Verzetnitsch treffen zu müssen.
Die Aufarbeitung des Bank- und ÖGB-Desasters hat Verzetnitsch nach seinem Rücktritt im März des Vorjahres zunächst im Stillen versucht. Nach einigen Schreck-Monaten tauchte er aber, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, bei zahlreichen Veranstaltungen auf. Etwa beim Waldzell Meeting, einer Charity-Punschaktion vom Hospiz Rennweg, einer Premiere der Sommeroper in Klosterneuburg oder beim sechzigsten Geburtstag seines langjährigen Politbekannten Josef Höchtl.
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